Gucci: Inklusive Lippenstifte

Auf Instagram bereitet Gucci Beauty schon mal auf den Valentinstag vor: Mit Fotos der Künstlerin Ariana Papademetropoulos, auf denen Minimodels zwischen Lippenstiften die Peitsche schwingen oder putzig posen. Überhaupt sind die Kampagnenbilder der Kosmetiklinie absurd bis aberwitzig, stellen oft auch eine schönheitsideelle Exklusivität in Frage. Falten und Fältchen, die sich um rot bemalte Lippen sammeln; ein schiefes Lächeln, das noch schiefere Zähne preisgibt. Ellie Goldstein, ein Model mit Down-Syndrom, wird Markenbotschafterin, und auch Männermodels werden ausgiebig angemalt. Seit Gucci Beauty 2019 lanciert wurde, bewirbt die Marke ein inklusives Verständnis von Attraktivität und Anmut. Kreativchef Alessandro Michele will offenbar zeigen, dass Schönheit in mindestens genauso vielen Farben daherkommt wie die rund 60 Lippenstift-Nuancen, mit denen Gucci Beauty an den Start gegangen ist.

Ganz neu ist diese Idee des sich schminkenden Mannes übrigens nicht. Schon aus dem alten Ägypten ist überliefert, dass sich die Herren pudern und pinseln dürfen. In die jüngere Geschichte gingen  David Bowie, Leigh Bowery und Klaus Nomi als männliche Fans des Make-ups ein.  Aber ist es nicht ohnehin der ewige Versuch Micheles, des Herren der Schlaghosen und Schluppenblusen, Altes neu aussehen zu lassen? So verleiht er auch den Hülsen seiner Gucci-Lippenstifte einen nostalgischen Anstrich. Sie kommen im goldenen, ornamentreichen Stil der Zwanziger daher oder sehen mit ihren blassen Blumenmustern aus, als seien sie eben erst aus der Siebziger-Jahre-Handtasche herausgerutscht. Aber halten sie auch, was ihre gut gestalteten Verpackungen versprechen? Tatsächlich wirkt der „Rouge à Lèvres“ im Ton „Goldie Red“, dem klassischen Gucci-Rot, gleich beim ersten Lippenanstrich deckend und fühlt sich trotzdem leicht an. Wirklich kussecht ist er indes nicht – was auch das Kampagnenbild mit dem roten Mundabdruck am Weinglas suggeriert. Natürlich aufgedrückt von Lippen, um die sich kleine Fältchen hübsch versammeln.

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