Berlin - Seit fast einem halben Jahrhundert macht Stephen King Angst zu Gold. Besonders im Kino, hier generierte allein der neu aufgelegte Horrorclown Pennywise („Es“) über eine Milliarde Dollar weltweit. Auch Fernsehsender und Streamingplattformen versuchen sich seit geraumer Zeit an den Stoffen des Horror-Großmeisters, über mangelnde Auswahl kann sich bei ihm ja keiner beklagen. „Lisey’s Story“, in Deutschland unter dem Titel „Love“ erschienen, ist King (nach eigenen Aussagen des Großmeisters) der liebste von seinen über 60 Romanen. Für Apple strahlt sein Augenstern nun in acht Episoden, mit Julianne Moore als mächtigste Waffe gegen die Düsternis.

Berliner Verlag
Die Wochenendausgabe

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.

Am 5./6. Juni 2021 im Blatt: 
Ein Porträt über Sven Marquardt: Wie der Künstler das Berghain verließ und sich im Lockdown als Fotograf neu entdeckte

Wahlen in Sachsen-Anhalt: Ein Besuch in der AfD-Hochburg Aken

Uns geht das Wasser aus! Wie Berlin und Brandenburg mit der drohenden Dürre umgeht

Die großen Food-Seiten: Eines der besten süddeutschen Restaurants in Kreuzberg. Und: Eine Portion Hass gegen den deutschen Spargel

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Stephen Kings bekannte Angst: Fanatische Leser

Moore spielt die titelgebende Lisey, Witwe eines erfolgreichen Schriftstellers, der vor zwei Jahren von einem wütenden Leser öffentlich niedergeschossen wurde. An dessen unfertigen Manuskripten hat die Nachwelt reges Interesse, doch Lisey will sie nicht herausgeben. Einen Literaturprofessor verleitet das schließlich zu drastischen Maßnahmen: Er beauftragt einen irren Superfan des Autors, Lisey zu „überzeugen“. Dieser schreckt vor nichts zurück, um neue Zeilen seines Idols zu lesen.

Der Regisseur Pablo Larraín findet hypnotische Bilder für Kings gewohnt spannende, brutale und verstörende Visionen. Doch die Liebesgeschichte, anders als im Roman, löst dauerhaftes Unbehagen aus, sie wirkt aufgesetzt und übergriffig. Ein Mainstream-Hit wird diese Serie, genau wie alle bisherigen King-Adaptionen jenseits der Kino-Leinwand, deshalb wohl nicht werden. Horror-Fans, die als jung und loyal gelten und als Zielgruppe daher besonders attraktiv sind, dürften aber durchaus angetan sein. Um Kings blutigen Serienstrom am Laufen zu halten, reicht das allemal.

Wertung: 3 von 5 Punkten

Lisey’s Story, acht Folgen, ab 04. Juni bei Apple TV+


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