Berlin - Der Sommer ist fast da, ein Ende der Pandemie naht. Ausgerechnet jetzt muss die großartige HBO-Serie „Mare of Easttown“ um die Ecke kommen und die ganze Aufmerksamkeit an sich reißen. In einer Zeit, in der man eigentlich draußen sein möchte. Aber nichts da! Im Vergleich zu „Mare of Easttown“ wirkt die Abendsonne wie nerviges Fernlicht, das man ausknipsen will.

Berliner Verlag
Die Wochenendausgabe

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.

Am 22. Mai 2021 im Blatt: 
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Schon die erste Folge zieht in den Bann. Das liegt vor allem an der fantastischen Kate Winslet, die in der siebenteiligen Mini-Serie eine herrlich abgefuckte und vom Leben gezeichnete Kommissarin spielt. Das Setting ist eine Kleinstadt in Pennsylvania, zwischen Hügeln und verschneiten Landschaften gelegen, in der das Grauen in weiß gestrichenen Villen mit Veranda wohnt.

Was ist passiert? Die Polizistin Mare Sheehan (Kate Winslet) hat in der Bevölkerung das Vertrauen verloren, seitdem ein junges Mädchen verschwunden und nie mehr aufgetaucht ist. Die Polizei konnte den Fall nicht klären. Sheehan hat nicht nur hier versagt. Sie gilt auch privat als gescheitert, seitdem ihre Familie zerbrochen ist. Der Sohn hat Selbstmord begangen, der Ehemann hat sich eine neue Frau gesucht, die Schwiegertochter ist heroinsüchtig. Ein Leben in Scherben.

Im Laufe der Serie verschwinden noch mehr Frauen, so als würde ein Serienmörder in der Stadt sein Unwesen treiben. An Verdächtigen mangelt es nicht. Darunter: ein dubioser Priester, gehässige Jugendliche, ja sogar Sheehans Ex-Mann. Wirklich großartig wird die Serie nicht nur durch die Spannung und Kate Winslet, sondern auch durch die Kameraführung, die düstere Atmosphäre und die dramaturgische Dichte. Das Genre „Serie“ wird hier als schillernde Kunstform gefeiert. Fast schon schade, dass man nach draußen darf.

Mare of Easttown, sieben Folgen, läuft bei Sky.

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