Medialer Impfzwang: Joshua Kimmich steht am Pranger wie im Mittelalter!

Der Medienbetrieb eifert Mao Tse-Tung nach und führt ein widerliches Laienstandgericht auf, um einen Fußballspieler zur Impfung zu zwingen. Das geht so nicht!

Der Fußballer Joshua Kimmich
Der Fußballer Joshua KimmichDPA

Berlin-Der Bayern-Spieler Joshua Kimmich hat sich bisher nicht gegen das Corona­virus SARS-CoV-2 impfen lassen. Das hat er im TV-Sender Sky nach dem Spiel gegen Hoffenheim zugegeben. Er habe „persönlich noch ein paar Bedenken, gerade, was feh­lende Lang­zeitstudien angeht“, sagte der 26-Jährige. Gleichzeitig schloss er eine Impfung nicht aus. Derzeit wird Kimmich, der auch in der Nationalmannschaft spielt, alle zwei Tage getestet. Seine Aussa­gen haben viel Kritik hervorgerufen, unter anderem von der Ständigen Impf­kommission und dem Deutschen Ethikrat. Am Mittwoch verlor Bayern gegen Borrusia 0:5. Unser Autor Milosz Matuschek unterstützt Kimmichs Meinung. Lesen Sie hier auch die Gegenmeinung aus unserem Pro-und-Contra-Teil der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung, verfasst von Redakteur Sören Kittel.

Wir alle kennen es aus der Schule und wissen, wie es abläuft. Jemand wird in eine Ecke gestellt, verspottet, gemobbt. Und in der Regel schauen alle zu und trauen sich nicht, etwas zu sagen. Immerhin erwischt es einen nicht selbst. Das kollektive Spiel der Ausgrenzung ist eines der unwürdigsten Spektakel, das Menschen aufführen können. Und gerade wirft sich eine Medienmeute auf den Fußballspieler des FC Bayern, Joshua Kimmich, weil dieser mit Hinblick auf mögliche Langzeitfolgen eine Impfung gegen Corona verweigert. Eine legitime und überlegte Entscheidung.

Allerdings nicht für die medialen Scharfrichter: Er sei desinformiert und unsolidarisch (N-TV), schwäche die Waffe gegen das Virus (Zeit), bekäme Applaus von der AfD (Tagesschau), sollte eigentlich gar nicht mehr aufgestellt werden (Ulrich Deppendorf) und selbst die Bundesregierung bangt nun um seinen Impfstatus und hofft, dass er sich noch impfen lässt, wegen der Vorbildfunktion. Fehlte bisher nur noch der Zusatz: Es wäre schade, wenn seiner Karriere etwas zustoßen würde. Doch halt, selbst mit Karriereschritten wird ja bereits gedroht.

Kimmich ist schon jetzt ein Vorbild

Was hier passiert, ist kein klassisches Mobbing, alle gegen einen, der sich nicht wehren kann. Es ist eine Form des Unterwerfungsmobbings. Und das prominenteste Beispiel dafür, dass es längst eine Covid-Cancel-Culture gibt. Abweichler von der offiziellen Doktrin müssen bestraft werden, möglichst öffentlichkeitswirksam. „Bestrafe einen, erziehe Hunderte“, nannte Mao Tse-Tung diese Methode. Wir bekommen also gerade auch noch eine pädagogische Lektion vorgeführt. Die Covid-Cancel-Culture ist die moderne Version des mittelalterlichen Prangers und der revolutionären Hinrichtungsbarbarei, nur mit anderen Mitteln. Alexis de Tocqueville hat diesen Despotismus in der Demokratie schon vor über 200 Jahren beschrieben. Es geht darum, einen zum Aussätzigen zu erklären und ihn dadurch in der Gemeinschaft unmöglich zu machen: „Gehe hin in Frieden, ich lasse dir dein Leben aber es ist schlimmer als der Tod.“

Kimmich ist schon jetzt ein Vorbild, und zwar für Standhaftigkeit, Mut und gesunden Menschenverstand. Er braucht dafür kein Stempelchen im Impfbuch oder ein Gespräch mit dem Panikmacher Lauterbach. Argumentativ hat Kimmich genug Trümpfe in der Hand. „Solidarität?“ Ein Wieselwort, hier sogar noch ein irreführendes, denn auch Geimpfte können ansteckend sein. Wie war das gleich mit dem Corona-Ausbruch im Berliner Club Berghain, wo 2G galt? Mit der Logik von Ulrich Deppendorf dürfte ein geimpfter, aber unerkannt infektiöser Spieler auflaufen, ein getesteter, gesunder, aber ungeimpfter nicht.

Und die Langzeitfolgen? Es gibt naturgemäß keine Studie, welche das Auftreten von Langzeitfolgen bewerten kann (außer einer Langzeitstudie), und die gibt es eben nicht. Die Impfhersteller haben in ihren Verträgen mit den Staaten jede Haftung für Spätfolgen ausgeschlossen. Die Medien tun derweil so, als wären diese Spätfolgen quasi ein Ding der Unmöglichkeit. Das ist eine Aussage ins Blaue, sonst nichts. Die Narkolepsie-Opfer nach der Schweinegrippe-Impfung können von der Haltbarkeitsdauer solcher Aussagen ein Liedchen singen.

Der Journalist Milosz Matuschek.
Der Journalist Milosz Matuschek.Enno Kapitza

Wie fragil ist eigentlich diese Impfkampagne?

Die Causa Kimmich wird für alle Mobber zum Bumerang werden und sie ist schon jetzt ein kolossales Eigentor. Denn plötzlich wird der großen Öffentlichkeit auf dem Präsentierteller serviert, dass es gar nicht um Gesundheit geht, sondern um Gehorsam. Spieler wie Kimmich werden ja auch regelmäßig getestet. Die durchsichtige Kampagne wird deshalb mehr Argwohn unter denen säen, die bisher aus welchen Gründen auch immer mitgemacht haben und hinter den Maßnahmen standen.

Denn diese werden sich jetzt fragen: Das hätte ja auch ich sein können, wenn ich Nein gesagt hätte. Und überhaupt: Wie fragil ist eigentlich diese Impfkampagne, wenn man derart Angst vor einem prominenten Fußballspieler hat, der Zweifel äußert? Dass Impfzwang in jeder Form, also auch indirekt mit Nachteilen, einen Verstoß gegen die Menschenwürde darstellt, da man einen Einzelnen zum Objekt kollektiver Konformitätserwartungen degradiert, scheint gerade diejenigen nicht zu interessieren, die sonst vordergründig immer so auf plüschweich, grün-romantisch und herzerweichend divers und tolerant tun.

Was hier an Kimmich durchexerziert wird, ist verachtenswert und widerlich. Es ist der nächste Tiefpunkt eines freidrehenden Covid-Kultes, der sich als „Team Vorsicht“ tarnt und ein kollektives Gruppenkuscheln als Gesundheitsschutz ausgibt. Jeder Kult braucht Formen nachahmender Gewalt, meinte der Anthropologe René Girard, und sei es nur, um das eigene Gruppenbewusstsein zu formen und zu stärken. Die Gewaltspirale dreht sich dann in der Regel so lange, bis sie sich in der Opferung des Sündenbocks erschöpft. So will es die Regel in archaischen Kulten.

Willkommen in der Barbarei, liebe Journalistenkollegen.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.