Berlin - Die Wirtschaftsnachrichten zum Wochenende:

Bund stimmt gegen Fragerecht für Telekomaktionäre

Die geheime Antwort auf eine Parlamentsanfrage offenbart: Die Bundesregierung ließ auf der virtuellen Hauptversammlung der Telekom gegen das erweiterte Fragerecht für Aktionäre stimmen. Dies ging aus der Antwort auf die parlamentarische Anfrage des Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler (FDP) hervor. Wie die FAZ berichtet, wurde die Antwort von der Bundesregierung als Verschlusssache nur für den Dienstgebrauch eingestuft.

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Kleinaktionäre der Telekom hatten aufgrund des Abstimmungsverhaltens der Bundesregierung keine Gelegenheit, auf der virtuellen Hauptversammlung der Telekom am 1. April 2021 ihr Auskunfts- und Rederecht auszuüben. Von der „Volksaktie“ Telekom bleibt damit wenig übrig. Während der Corona-Pandemie haben sich viele Aktiengesellschaften für die Möglichkeit zur virtuellen Hauptversammlung entschieden. Um diese zu erleichtern, wurde das Auskunftsrecht der Aktionäre aus Paragraf 131 Aktiengesetz dafür im letzten Jahr modifiziert und eingeschränkt. Aktiengesellschaften haben dennoch die Möglichkeit, über eine Satzungsänderung auch während der Corona-Krise ihre virtuellen Hauptversammlung für Aktionäre zu öffnen. Davon wurde jedoch kein Gebrauch gemacht, obwohl der Telekom-Vorstandsvorsitzende Timotheus Höttges bei der Einleitung der Hauptversammlung betonte, wie sehr er den direkten Dialog mit den Aktionären vermisse. Der Bund begründete seine Ablehnung mit möglichen technischen Schwierigkeiten bei der Ausrichtung der Hauptversammlung. Für Brancheninsider wirkt diese Begründung vor dem Hintergrund erstaunlich, dass gerade die Telekom als nationaler Champion bei vielen Digitalprojekten federführend beteiligt ist.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e. V. (DSW) hatte nach FAZ-Recherchen schon früher vermutet, dass der Bund gegen das Fragerecht während der Hauptversammlung stimmen würde. Viele der institutionellen Anleger sollen sich hingegen zuvor für die Auskunftsrechte der Aktionäre starkgemacht haben.

Auch der Autor und Unternehmer Christian W. Röhl, der oft als Stimmrechtsvertreter der DSW fungiert, kritisiert die Entscheidung. „Vor 21 Jahren waren private Gelder gut genug, um dem Staat für 66,50 Euro die ‚Volksaktie‘ Telekom abzukaufen. Aber heute soll das lästige Aktionärsvolk bitte den Mund halten, findet die Bundesregierung – und hat gegen den DSW-Antrag auf Fragerecht in der virtuellen [Hauptversammlung] stimmen lassen“, kommentierte er auf der Plattform Linkedin den Vorgang.

Obwohl die Telekomaktie beim Börsengang als „Volksaktie“ vermarktet wurde, übt der Bund nach wie vor einen bestimmenden Einfluss auf die Telekom aus, zusammen mit den Aktien, die über die KfW gehalten werden liegt der Staatsanteil bei insgesamt 31,9 Prozent. Etwa 50 Prozent werden von institutionellen Investoren wie Fonds, Banken und Versicherungen gehalten und lediglich 18,2 Prozent entfallen auf private Aktienbesitzer.

Corona machte die Milliardäre noch reicher

Die Zahl der Milliardäre steigt, genauso wie ihr Vermögen. Wie die Financial Times berichtet, ist das weltweite Vermögen der Milliardäre im vergangenen Jahr um fünf Billionen US-Dollar gestiegen. Die Corona-Krise soll die Vermögenskonzentration begünstigt haben. Während der Finanzkrise haben Zentralbanken in der ganzen Welt über neun Milliarden Dollar in die Volkswirtschaften gepumpt, um die Wirtschaft über Wasser zu halten. Ein Großteil dieses Stimulus ist in die Finanzmärkte geflossen und von dort aus auch in das Nettovermögen der Ultrareichen.

Im letzten Jahr wurden über 2700 Milliardäre registriert und damit 700 mehr als vor der Corona-Pandemie. Die meisten neuen Milliardäre kamen aus China. Im offiziell kommunistisch regierten Reich der Mitte wurden über 238 neue Milliardäre gezählt. Allein der von der kommunistischen Partei kürzlich geschasste Alibaba-Gründer Jack Ma soll über ein Vermögen von 48 Milliarden Dollar verfügen. Selbst unter den Superreichen soll die Pandemie die Ungleichheit verstärkt haben: Im letzten Jahr kam es zu einer wachsenden Vermögenskluft zwischen innovativen Unternehmern, die hauptsächlich in Technologie, Gesundheitswesen und Industrieprodukte investieren, und solchen Geschäftsleuten, die in weniger dynamische Sektoren wie Immobilien, Unterhaltung und Finanzdienstleistungen investieren. So stiegt das Vermögen des Tesla-Gründers Elon Musk im letzten Jahr von 25 Milliarden auf über 150 Milliarden US-Dollar.

Ein großes Gefälle gibt es auch bei den Quellen des Reichtums: Während in den USA über 60 Prozent der Milliardäre ihr Vermögen selbst aufgebaut und nur 25 Prozent es ererbt haben, ist der Anteil der ererbten Milliardenvermögen in Europa bedeutend höher: In Deutschland, Frankreich und Schweden liegt die Quote der Erbmilliardäre bei über 60 Prozent. Trotz des egalitären Bildes der schwedischen Gesellschaft ist gerade Schweden eines der Länder mit der höchsten Vermögensungleichheit in der europäischen Union. Setzt man das Vermögen der Milliardäre ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt ihres Heimatlandes, ergibt sich zudem ein interessantes Bild: Die Financial Times spricht von der „Rockefeller-Liste“. Ganz oben auf der Liste der Rockefellers stehen der spanische Selfmade-Modekönig Amancio Ortega, der mexikanische Telekom-Oligarch Carlos Slim und der auf Luxusprodukte spezialisierte Franzose Bernard Arnault – jeder von ihnen verfügt über ein Vermögen, das mehr als 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ihres Heimatlandes entspricht.

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