Berlin - Laura steht in der Küche einer 60-Quadratmeter-Wohnung in Schöneberg. Sie will gern einziehen, aber sie hat ein komisches Gefühl. Die Miete liegt mit 650 Euro im Monat knapp über ihrem Budget, über den Begriff Staffelmiete will die 21-Jährige nicht nachdenken. Der Plan ist, dass ihr Freund mit einzieht und die Hälfte übernimmt, sie verdient als Auszubildende rund 1000 Euro im Monat. Aber etwas irritiert ist sie von der Hemdsärmeligkeit des Vermieters. Sie hatte im Kopf, dass doch eigentlich eine Spüle in der Küche stehen müsste. Als sie das anspricht, sagt der Vermieter: „Wir können Ihnen gern eine Spüle aus dem Keller hier reinstellen, aber die funktioniert nicht und sie müssen sie dann kostenpflichtig entfernen.“

Laura ist heute 24 Jahre alt, sie hat viel dazugelernt über den Berliner Markt der Wohnungen und über das Leben. Ihr Freund ist vor zwei Wochen ausgezogen, ausgerechnet in der Woche, in der der Mietendeckel vom Bundesverfassungsgericht gekippt wurde. „Ich bin sofort zur Demo gegangen“, sagt sie, „ich war froh, zu sehen, dass ich nicht allein war in dieser Situation an diesem furchtbaren Tag.“ Laut Schätzungen kamen zwischen 10.000 und 15.000 Menschen zusammen. Sie demonstrierten für das Grundrecht auf Wohnraum.

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