Berlin/Prag - Seit Monaten wartet er auf seine Gäste, eigentlich schon seit einem ganzen Jahr. Pavel Peterka, 50, ist Kellner im tschechischen Speisewagen des Eurocity, der Hamburg und Berlin mit Prag verbindet.

Unter normalen Umständen wäre jetzt der Zug voller Reisender und Peterka und der Koch hätten viel zu tun. Ein Schnitzel nach dem anderen müsste serviert werden, Gulaschsuppe, hausgemachte Wiener von einem kleinen Metzger und natürlich die legendäre Svíčková, Peterka würde sein Tablet durch den engen Gang manövrieren, draußen würde die Landschaft vorbeirasen. Er würde die böhmische Spezialität, Rinderbraten in cremiger Gemüsesauce, die im Speisewagen immer mit sechs Knödeln auf den Tisch kommt, servieren und dazu ein frischgezapftes Bier vom Fass, das fast so schmeckt wie in einem Prager Gasthaus. Auch deswegen zählt der tschechische Speisewagen zu den beliebtesten in ganz Europa – ein bisschen wie Prag auf Rädern fühlte sich ein Trip darin an. Oft sind alle Plätze gleich nach Abfahrt besetzt. Doch jetzt ist alles anders. Herr Peterka sitzt meistens allein im Zug. Er liest Romane und Theaterzeitschriften, während er auf seine Gäste wartet.

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