Frau Rützel, wer hat Sie diese Woche wütend gemacht?

Michelle Hunziker. Zuletzt hatte ich sie als schwerst verstammelte Moderatorin der desaströsen Gesangssendung „Pretty in Plüsch“ auf Sat.1 gesehen, bei der unappetitlich angesexte Bauchrednerpuppen zusammen mit Promis auftraten, nun legte sie in der italienischen Fernsehsendung „Striscia la Notizia“ noch eine Schippe nach: Zusammen mit Gerry Scotti, der auch die italienische Ausgabe von „Wer wird Millionär“ moderiert, äffte sie die Aussprache von Chinesen nach und zog ihre Augen mit den Fingern in die Länge – offenbar ist nicht nur ihr Stacheldraht-Tattoo ein Relikt aus geschmacklich ziemlich düsteren Zeiten, sondern auch ihr Bewusstsein für rassistische Stereotype.

Am heutigen Sonnabend wird Prinz Philip beerdigt – schauen Sie sich die Zeremonie an?

Selbstverständlich. Ich habe vergangene Woche schon die Vorberichterstattung in den britischen Medien sorgfältigst studiert. Besonders interessant fand ich das Detail, dass Philip das Fahrzeug, das seinen Sarg zur Kapelle transportieren wird, selbst für diesen Zweck designt hat, 16 Jahre lang hat er daran immer wieder Verbesserungen vorgenommen. „Stopft mich einfach in einen Land Rover und schafft mich nach Windsor“, hatte der mitunter ja gern etwas volkstümliche Queengemahl sich mal gewünscht, und nun wird er also wirklich ziemlich rustikal auf der Ladefläche eines umgebauten Land Rover Defender TD5 130 chauffiert. Sogar die Gummistopper, die den Sarg dabei an Ort und Stelle halten sollen, hat er selbst gestaltet, mich rührt das sehr.

Wahrscheinlich sollte ich mich auch jetzt schon darum kümmern, wo man irgendwann mal die zehn schwarzen Schwäne herbekommen wird, die mein Trauerboot ziehen sollen. Ich bin ja sonst nicht der so der maritime Typ, aber einen Trauerzug auf dem Wasser stelle ich mir festlich vor.

Der seinerzeitige „Lindenstraßen“-Mime Willi Herren fiel vergangene Woche nicht nur als Stimme der Vernunft im komplett aus dem Ruder gelaufenen Trash-Format „Promis unter Palmen“ auf, er eröffnete auch einen Foodtruck. Gute Idee oder Verzweiflungstat?

Ich habe durch meine jahrelange Fortbildung mit „Goodbye Deutschland“ eine gewisse Expertise für windschiefe Businessideen erworben und finde, „Willis Rievkoochebud“ ist eine plausible Idee: Reibekuchen sind eher grob geraspelt und stoßen einem noch länger auf, da ist eine natürliche, glaubwürdige Verbindung zum Inhaber doch sofort gegeben. Ich wünsche ihm da wirklich alles Gute. Außerdem ist Herrens Schmalzbude bei weitem nicht das merkwürdigste Promi-Neubusiness der Woche.

Sondern?

Christina Dimitriou und Aleks Petrovic, die Trash-TV-Connaisseuren als lippenlastiges Formathopperpaar aus krawall- und koitusintensiven Sendungen wie „Temptation Island“, „Love Island“ und „Ex on the Beach“ bekannt sind, haben in Wattenscheid ihr eigenes Corona-Testzentrum eröffnet. Und leisten nun selbst Dienst am Abstrichstäbchen – nur eine zweistündige Schulung mussten sie vorher absolvieren, erzählten sie in einem Interview. Ich persönlich hätte ja Angst, dass Dimitriou ausgerechnet dann in ihren altbekannten „Ich fick dein/mein/unser aller Leben“-Prollettenmodus zurückfällt, wenn sie gerade in meiner Nase zugange ist. Aber diese Umschulung zeigt zumindest wieder eines ganz deutlich: Inzwischen ist wirklich ALLES möglich.

Was macht eigentlich Helene Fischer?

Genau weiß man das wie immer nicht, aber gerüchteweise schleicht sie nachts durch verlassene Straßen und wirft altbackene Croissants in die Bäume, damit sich anderntags arglose und kurzsichtig Passanten erschrecken, die die verschorften Knubbel für exotische Echsen halten. 

Anja Rützel ist freie Autorin und schreibt vor allem über Fernsehen und Tiere. Für die Berliner Zeitung beobachtet sie die wunderliche Welt der Promis.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.