Boltenhof/Fürstenberg/Havel - Gute Aussichten: Eine generationenüberdauernde Buche, an der eine Schaukel baumelt, eine Allee mit Blickachse, weiter hinten eine Koppel mit Schafen und Eseln, dann das weite Nichts Brandenburgs. Die einen schwitzen in der Bauwagensauna mit Panoramascheibe, die anderen in der zum Arbeitsplatz umfunktionierten Scheune über ihren Projekten. Wer hierher kommt, hat die Wahl. Eine luxuriöse Auszeit von Berlin, deren Anfahrt kaum länger dauert als mit den Öffentlichen von Lichtenberg nach Wannsee? Oder die Landlebenruhe nutzen, mit Highspeed-Internet? Gut Boltenhof kann beides. „Um zu uns zu gelangen, müssen Sie nur der Straße folgen, die aussieht, als würde nach der nächsten Kurve das Ende der Welt kommen“, heißt es auf der Website. Von wegen Ende: Vom Parkplatz aus führt eine grob gepflasterte Lindenallee auf ein zweistöckiges Gebäude zu, mit schaffellweißer Fassade und ochsenblutroter Tür. In Sichtweite stapft ein Mitarbeiter in Gummistiefeln vorbei, von irgendwoher muht es. Sonst: Stille.

„Natürlich war es eine Umstellung, von Frankfurt am Main in die Brandenburger Provinz zu kommen“, erklärt Jan-Uwe Riest, Winterparka, kälterote Wangen, die Treppen des buntverglasten Wintergartens hinabsteigend. „Jetzt gibt die Natur den Takt vor.“ Als seine Eltern das 15 Kilometer vor Fürstenberg gelegene Gut 1996 kauften, war es in erbärmlichem Zustand. Schnell legte der Vater, ein promovierter Landwirt, den Grundstein für eine biologische Landwirtschaft, während die Mutter sich um die Gästebetreuung kümmerte. 2015, da war gerade die erste von zwei Töchtern unterwegs, übernahmen dann Jan-Uwe und seine Frau Andrea das aus dem 19. Jahrhundert stammende Rittergut. Im Gegenzug gaben sie ihre bisherigen Jobs auf, er als Marketingmanager bei Samsung, sie als Unternehmensanwältin eines Schienenunternehmens, und zogen von Frankfurt am Main in den „wilden, wilden Osten“.

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