Berlin - Mit einem Körnchen Wehmut erinnert man sich heute an die Anfangstage der Pandemie: an die gesamtgesellschaftliche Verunsicherung, die zwar furchterregend und disruptiv war, zig Menschenleben kostete und ganze Versorgungssysteme auf den Kopf stellte. Die aber auch eine Hoffnung weckte, dass wir womöglich als Gesellschaft lernen könnten, neu und anders über die Welt nachzudenken. Über globale Solidarität und nationale Grenzen, übers Klima und das Reisen, Sozialleistungen und Verteilung, Kunst und Kultur. Doch die Hoffnung auf eine globale Perspektive wich bald einer hyperlokalen, der es in erster Linie darum zu gehen schien, zum Alten zurückzukehren, anstatt Neues auszuprobieren. 

Berliner Verlag
Die Wochenendausgabe

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Am 3./4. Juli 2021 im Blatt: 
Auf den Hund gekommen: Während der Pandemie sind Tausende Vierbeiner nach Berlin gezogen. Erst kam das Glück, jetzt kommen die Probleme. Das große Hunde-Spezial

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Dass die Berliner Museen jetzt pünktlich zur stückweisen Normalisierung des öffentlichen Lebens in Deutschland das Experiment wagen, ihre Türen an jedem ersten Sonntag im Monat für alle Berliner:innen kostenlos zu öffnen, ist da ein gelungenes Zeichen. Eins, das zeigt, dass man gewillt war, die dröge Übergangsphase des Lockdown-Winters zu nutzen, um zukunftsweisende und inklusive Ideen zu entwickeln, um Kunst- und Kulturerfahrung zugänglicher und erschwinglicher zu machen. Der Museumssonntag ist eine Initiative der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, der in Kooperation mit der Bundesregierung und dem Landesverband der Museen zu Berlin ins Leben gerufen wurde.

„Chance für eine breitere Teilhabe“

Die Idee dahinter: Es allen Berliner:innen zu ermöglichen, die Museen ihrer Stadt zu besuchen, ohne die Hürde eines saftigen Eintrittspreises. Insbesondere Familien und Studierende sollen durch den Museumssonntag besser erreicht werden. Das Modellprojekt, das bis Ende des Jahres läuft, geht zudem auch mit niedrigschwelligen Lernangeboten einher. Der Kultursenator Klaus Lederer erkennt darin eine „Chance für eine breitere Teilhabe“. Die Outreach-Kuratorin des Brücke Museums Daniela Bystron hält den Museumssonntag für ein Instrument, „Barrieren zumindest partiell abzubauen“.

Unter den rund 60 Einrichtungen, die sich beteiligen, sind unter anderem die Berlinerische Galerie, das Georg Kolbe Museum und das KW Institute for Contemporary Art. Aber etwa auch die Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum oder das Anne Frank Zentrum. Auch einige private Museen schließen sich der Berliner Initiative an. Ein schöner Neuanfang! 

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