Nach Schiffsunglück: „Ich würde lieber sterben, als in Syrien zu bleiben“

Heiligabend auf der Insel Paros: Vor der Küste kentert ein Flüchtlingsboot. 16 Menschen ertrinken. Erst hilft das Dorf, dann wächst der Unmut. Eine Reportage.

Dieser Katamaran ist gekentert. Eigentlich ist er für 20 Menschen gedacht. 79 Geflüchtete befanden sich darauf.
Dieser Katamaran ist gekentert. Eigentlich ist er für 20 Menschen gedacht. 79 Geflüchtete befanden sich darauf.Felix Buechner

Der 24. Dezember ist ein lauer Tag auf der griechischen Kykladeninsel Paros, etwas bewölkt, kein Wind. In den weihnachtlich geschmückten Dörfern kehrt nach einer sehr betriebsamen und bis weit in den Herbst ausgedehnten touristischen Saison endlich Ruhe ein. Letzte Besorgungen, An- und Abreisen am Hafen, Verwandte abholen, miteinander Weihnachten feiern. Auf Paros leben fast 14.000 Einwohner, darunter viele Eingewanderte sowie griechische und ausländische Pendler. Die Dunkelheit setzt früh ein, die Straßen sind leer. Gegen 22 Uhr ist von der Nordseite der Insel aus plötzlich ein helles Licht sichtbar, dann noch eines und noch eines. Bei längerer Beobachtung ist erkennbar, dass die Lichter langsam, aber stetig hinabsinken. Und bald erscheint die nächste und dann die nächste Lichtkugel am Himmel: Es sind, wie sich schnell herausstellt, Leuchtraketen, die den Zweck haben, das Meer zu beleuchten.

13 Kilometer vor Paros' Küste in Richtung Syros, der Hauptinsel der Kykladen, ist gegen 18 Uhr ein motorisierter Katamaran gekentert. Es ist ein Taxiboot von zwölf Metern, ausgestattet für Kurzstrecken und 20, vielleicht maximal 30 Passagiere. An Bord waren jedoch mindestens 79 Menschen, die von der Türkei aus bis nach Italien gelangen wollten, darunter mindestens fünf Frauen und ein Kleinkind. Es sind überwiegend Syrer:innen, einige Palästinenser:innen und Afghanen.

Vertreter der orthodoxen Kirche organisieren Essen und Getränke

Fischerboote wie die „Eleni K.“ waren die Ersten, die sich zur Rettung aufgemacht hatten. Fünf Boote der Küstenwache und ihre Taucher, neun private Boote, Helikopter und ein Militärflugzeug folgten gegen 20 Uhr, um die Schiffbrüchigen zu bergen. Auch das Hellenic Rescue Team (HRT) mit vier Männern und einer Frau an Bord des Rettungsschlauchboots „Chiara“, das unter deutscher Flagge operiert, sucht das Meer nach den Gekenterten ab. Die „Chiara“ hatte bereits einige Zeit im Dorf Naoussa vor Anker gelegen, die lokale Crew war offenbar schon länger auf einen Einsatz vorbereitet.

Jeweils zwei Leuchtraketen beleuchten jetzt die Ägäis, sie bilden auf dem Wasser lange Lichtstreifen wie Autobahnen. Manche der Verunglückten können erst gerettet werden, nachdem sie schon vier Stunden im kalten Meer getrieben waren, andere werden trocken vom Rumpf des umgedrehten Bootes geborgen. 16 Menschen jedoch sind ertrunken, teils im Bauch des auf dem Kopf stehenden Bootes, dessen Fenster sich nicht öffnen ließen. Unter den Toten sind drei Frauen und ein Säugling.

Provisorische Unterbringung der Geflüchteten in Paros, polizeilich bewacht.
Provisorische Unterbringung der Geflüchteten in Paros, polizeilich bewacht.Felix Buechner

Die „Chiara“ eilt um 2 Uhr morgens in den Hafen zurück und legt an: Die Crew ist erschöpft und braucht dringend Erholung. Das Meer wird noch bis 2.30 Uhr morgens beleuchtet, dann wird die Suche bis zum kommenden Tag abgebrochen. 63 Überlebende sind unterdessen mit der „Eleni“ in die Hauptstadt Parikia gebracht und am Hafen medizinisch, mit Essen, Kleidern und Decken notversorgt worden. Eine Gruppe Freiwilliger von der Insel, die sich spontan zusammengetan haben, verteilen die Spenden, die nun ungeachtet der tiefen Nacht rasch von der Bevölkerung abgegeben werden.

Die zwei Frauen, die überlebt haben, sind vollkommen durchnässt, doch physisch sind sie wohlauf. Wie alle Verunglückten stehen sie vollkommen unter Schock. Zwei weitere Schiffbrüchige müssen wegen Unterkühlung umgehend im örtlichen Gesundheitszentrum versorgt werden, eine Klinik gibt es auf Paros nicht. Alle Geretteten werden auf Corona getestet und sind negativ. Im Laufe der nächsten Stunden werden die 63 Menschen in die technische Schule Epal am Ort gebracht, wo freiwillige Helfer notdürftig ein Lager für sie hergerichtet haben. Pater Papa Stelios ist bald zur Stelle, Vertreter der orthodoxen Kirche organisieren Essen und Getränke.

Viele Menschen sind ertrunken oder gelten als vermisst

Das Unglück bei Paros ist das dritte innerhalb einer Woche in der Ägäis. Bereits am 21. Dezember sank ein Boot mit Geflüchteten südlich der Insel Folegandros, und am 23. zerschellte ein weiteres Boot an Pori, einem Felsbrocken nördlich von Antikythira. Insgesamt starben mindestens 31 Personen, viele werden weiter vermisst. Die Schlepper, die sich mit Menschenhandel am Schicksal der Geflüchteten bereichern, bevorzugen neuerdings die direkte und viel längere Route von der Türkei nach Italien, um die von der griechischen Küstenwache stark patrouillierten östlichen Inseln der Ägäis zu vermeiden.

„Tragödien dieser Art sind die unmittelbare Folge des grausamen Pushback-Regimes, das die griechische Regierung im Namen der EU durchführt“, so schreibt Alarmphone, eine Telefonhotline für Geflüchtete in Seenot. Die Initiative ist ein Netzwerk von Freiwilligen, die bei der Suche nach Vermissten durch Informationen vermitteln und über die großen Gefahren einer Überquerung des Mittelmeers aufklären.

Pushback bedeutet, in Griechenland aufgegriffene Geflüchtete so schnell wie möglich wieder schutzlos in türkischen Gewässern auszusetzen, wo sie schließlich gefangen und in Lager gebracht werden. Laut Aegan Boat Report, einer norwegischen Nichtregierungsorganisation, die Menschenbewegungen in der Ägäis überwacht und über die sozialen Netzwerke informiert, soll es in diesem Jahr alleine in Griechenland 620 Pushbacks gegeben haben, die über 15.533 Männer, Frauen und Kinder betrafen.

Bis zum 19. Dezember dieses Jahres sind laut UNHCR 116.000 Asylsuchende über das Mittelmeer gefahren, um nach Europa zu gelangen, gut die Hälfte davon nach Italien, ein Drittel Prozent nach Spanien, knapp 10 Prozent nach Griechenland sowie einige nach Malta und Zypern. Allein in 2021 sind 1.864 Menschen, die in Europa Zuflucht suchten, ertrunken oder gelten als vermisst.

Wer hat das Unglück verursacht?

Die Flüchtlingskrise in Griechenland spitzt sich zu. Hier gerettete Geflüchtete auf der Insel Rhodos.
Die Flüchtlingskrise in Griechenland spitzt sich zu. Hier gerettete Geflüchtete auf der Insel Rhodos.Imago

Seit im Jahr 2000 vor Paros die reguläre Passagierfähre „Express Samina“ sank und über sechzig Menschen ums Leben kamen, ist die Schiffstragödie dieses Heiligabends die größte, die Paros gesehen hat. Auf eine große Zahl Geflüchteter ist die Insel nicht eingestellt, eine Infrastruktur für deren Aufnahme oder Versorgung existiert nicht, obwohl es Möglichkeiten für deren längerfristige Unterbringung gäbe.

Mit der selbstlosen Hilfe vieler Bewohner, der Gemeinde sowie der orthodoxen Kirche sind die Geretteten zunächst mit Erster Hilfe und dem Notwendigsten versorgt. Gleich am folgenden Vormittag nach dem Unglück wird über soziale Medien verbreitet, dass die Schiffbrüchigen keine Kleider mehr, sondern dringend Schuhe benötigten, möglichst Größe 38.

Die Küstenwache und Polizei befragen die Geflüchteten. Ihr primäres Ziel ist allerdings nicht, die Geschichten der Opfer aufzunehmen und ihre Familien zu verständigen oder ihnen gar Rechtsbeistand zu besorgen: Sie sind ganz und gar darauf fixiert, der Helfer der Schlepper habhaft zu werden, also herauszufinden, wer den Katamaran gesteuert und damit das Unglück in rechtlicher Hinsicht zu verantworten hat – auch wenn er selbst einer der Geflüchteten ist.

Einige Geflüchtete haben ihre Häuser verkauft

Die Geflüchteten mussten schon bei der Ankunft ihre Mobiltelefone, sofern sie diese beim Kentern nicht verloren haben, abgeben. Man will sie damit unter Druck setzen, die Verantwortlichen preiszugeben und behandelt allesamt wie Kriminelle, die keinen Kontakt zur Außenwelt haben dürfen. Es bleibt unklar, ob ihnen auch die Reisedokumente abgenommen wurden, ob sie ohne diese die Reise angetreten oder sie in der Havarie verloren haben.

Die freiwilligen Helfer sehen sich plötzlich unfreiwillig in der Position, strafrechtliche Befragungen durchzuführen. Sie erfahren, dass die meisten Geretteten zwischen 20 und 30 Jahre alt sind, überwiegend aus ländlichen Gebieten in Syrien stammen und recht gebildet sind. Einer von ihnen arbeitete in Beirut für die Tageszeitung Al-Nahar. Ein Palästinenser stammt ursprünglich aus dem Gazastreifen, auch einige Afghanen befinden sich in der Notunterkunft. „Es sind Menschen wie du und ich“, so eine Quelle, mit der die Berliner Zeitung am Wochenende gesprochen hat.

Die Gruppe von ca. 80 Personen traf sich planmäßig in Istanbul. Jeder Einzelne hinterlegte dort in einer Art Reisebüro 7000 bis 8000 Euro. Man habe ihnen einen Code gegeben, gaben einige Befragte an, den sie am Ankunftsort auslösen sollten, um die Bezahlung durchzuführen. Einige der Reisenden haben in Syrien ihre Häuser verkauft, um sich die Überfahrt leisten zu können.

Ein Zurück gab es nicht mehr

In Istanbul sind die Menschen mit Essen versorgt und anschließend in Lastwagen in die Nähe von Izmir gefahren worden, vermutlich nach Cesme. Dort mussten sie zwei weitere Nächte ausharren, da die türkische Polizei in der Umgebung unterwegs war. Schließlich wurden sie von maskierten und bewaffneten Männern zu dem Boot gebracht, das sie nach Italien bringen sollte.

Einer der Mitreisenden wurde von den Schleppern als Steuermann eingesetzt, denn die übliche Praxis ist, dass diese völlig ungelernten und unerfahrenen „Kapitäne“ dann weniger für ihre Überfahrt zahlen müssen, die Schlepper aber unerkannt bleiben. Ob die Steuermänner wissen, dass sie im Falle eines Unglückes Verantwortung tragen, auch für den Tod von Menschen? Das Boot, so erzählt eine Frau, sei viel kleiner gewesen als ihnen versprochen worden sei, doch keiner habe sich getraut, sich gegen diese Reise zu entscheiden, da die Schlepper ihnen an diesem Punkt keine Wahl ließen. Und wohl auch, weil schon zu viel ihres Ersparten auf dem Spiel stand und es kein Zurück mehr gab.

Die Überfahrt begann am 24. Dezember, gegen 8 Uhr morgens. 80 Menschen – manche Quellen berichten von 88 Menschen – zusammengepfercht auf dem Taxiboot. Etwa 165 Kilometer weiter, kurz vor Paros, fiel gegen 18 Uhr erst eine Maschine aus, dann die zweite. Der Steuermann begab sich in den Maschinenraum – dann drang Wasser ein. Einige der Passagiere flüchteten auf das Dach des Bootes, schließlich brach Panik aus und das Schiff kenterte.

Verbrechen auf der Ägäis

Als die Geretteten sich in Paros wiederfinden, kennen sie nicht einmal den Namen der Insel. Sie sind traumatisiert, total erschöpft und sehr hungrig und durstig. Sie haben alles verloren, ihr Geld, ihre Habseligkeiten. „Ich würde lieber sterben als in Syrien zu bleiben“, erzählt einer der Geflüchteten einer unserer Quellen. Ein anderer gibt zu Protokoll, innerhalb von vier Stunden mehr Menschlichkeit und gute Behandlung als in seinen bisherigen 30 Lebensjahren erfahren zu haben: „Gestern endete mein altes Leben, seit heute hat mein neues angefangen.“

Die Befragten sagen aus, sich in ihren Herkunftsländern nicht mehr sicher und missachtet gefühlt zu haben, ihre Lebensumstände seien unerträglich geworden. Die meisten wollen nach Deutschland, wo einige bereits Verwandte haben, in Griechenland wollen sie eigentlich nicht bleiben. Dennoch sind sie überwältigt von der Hilfsbereitschaft der griechischen Bevölkerung. Hauptsache in Sicherheit.

Eigentlich war das Schiff nur für Kurzstrecken vorgesehen.
Eigentlich war das Schiff nur für Kurzstrecken vorgesehen.Felix Buechner

Am Sonntag wendet sich jedoch das Blatt, vermutlich, nachdem Polizei vom Festland angereist ist. Die Geflüchteten werden auf dem Gelände der technischen Schule nicht nur bewacht, sondern nun darf auch niemand mehr mit ihnen sprechen. Auch die Berliner Zeitung am Wochenende bekommt keine Erlaubnis für Interviews.

Ein Beamter der Küstenwache nennt die Menschen „Gefangene“, die unter Verdacht des Menschenschmuggels und des Mordes an 16 Personen stehen. Laut Alarmphone gehört das zu den regelmäßigen Versuchen griechischer Behörden, die Passagiere zu kriminalisieren: „Das ist eine weitere Praxis, um die wahren Verbrechen in der Ägäis zu verbergen – die Pushbacks, die gewaltsamen und tödlichen Folgen der europäischen Grenzregime auf Wasser und am Land“, heißt es auf der Website der Initiative.

Plötzlich regt sich Unmut

Im Büro der Küstenwache im Hauptort der Insel werden die Opfer des Unglücks unterdessen weiter verhört. Auch jetzt ist jeglicher Kontakt zu ihnen untersagt. Sie sehen verstört aus, in ihren Blicken ist Angst. Ihre Telefone haben sie auch am Sonntag noch nicht zurückerhalten, was nach Aussage eines Rechtsanwalts für Asylrecht in Athen illegal ist.

Somit können sie auch nicht um Rechtsbeistand bitten. Im Vordergrund steht die strafrechtliche Verfolgung, ihre Menschenrechte mit Ausnahme der Basisbedürfnisse spielen derzeit keine Rolle. Auf Nachfrage, ob man ihnen ihre Rechte auf Asyl erläutert und ihnen die Möglichkeit eines Antrages gegeben habe, sagen die anwesenden Beamten der Küstenwache und der Polizei unisono, solch einen Antrag auf Asyl könnten sie erst nach Abschluss der Untersuchung stellen, bis dahin habe die Kriminaluntersuchung Vorrang.

In Paros regt sich nach aller Hilfsbereitschaft nun auch Widerstand. Einige Politiker auf der Insel betonen, dass sich wieder einmal gezeigt habe, wie inakzeptabel die Dublin Agreements zwischen der EU und der Türkei seien. Es müssten für Geflüchtete endlich sichere Routen nach Europa geschaffen werden. Der Ärger auf Deutschland ist bei vielen groß, viele Griechen fühlen sich als Opfer einer fehlgesteuerten EU-Politik.

In den sozialen Medien deuten Bewohner an, dass die Geflüchteten jetzt dringend von der Insel geschafft werden müssten, mitunter schwingt da ein unverhohlener rassistischer Ton mit. Der frühere Bürgermeister Kostas Argouzeli veröffentlicht auf Facebook das Statement, man habe aus sicheren Quellen gehört, dass der griechische Einwanderungsminister Notis Mitarakis erwäge, auch in Paros ein Immigrationszentrum aufzubauen. Deshalb müsste man nun mobilisieren, damit die Migranten möglichst schnell in organisierte Strukturen außerhalb der Kykladen transportiert würden. Man wolle so etwas wie an Heiligabend auf Paros nicht noch einmal erleben.

Die wirklich Verantwortlichen bleiben meist unbehelligt

Der gegenwärtige Bürgermeister Markos Koveos ist unterdessen tätig geworden und hat erreicht, dass Athen Polizeibusse schickt. Am Montag des 27. Dezember, zwei Tage nach ihrer Rettung, werden die Geflüchteten auf die Passagierfähre „Blue Star“ nach Piräus verfrachtet. Für ein Interview steht der Bürgermeister nicht zur Verfügung, schriftliche Fragen nach der Legalität des Vorgehens der Behörden oder dem Verbleib der Geflüchteten nach ihrer Ankunft auf dem Festland bleiben unbeantwortet. Keiner kann oder will beantworten, wohin die Menschen gebracht wurden. Migrationsexperten vermuten, dass die Gestrandeten von Paros nahe Athen im Amygdaleza-Untersuchungsgefängnis für Immigranten ohne Papiere festgehalten werden.

Drei der Schiffbrüchigen werden weiter auf Paros festgehalten: Sie werden gemäß der Tageszeitung Ekathimerini vom 27. Dezember des Mordes an 16 Menschen beschuldigt. Laut Aussage eines Lokalpolitikers der Opposition gegenüber dieser Zeitung werden sie demnächst aufs Festland und vor Gericht gebracht. Die Presse hat allein durch ihre Überschriften die Schuldigen bereits ausfindig gemacht. Die wirklich Verantwortlichen bleiben jedoch meist unbehelligt.

Die Hilfesuchenden sind so schnell gekommen, wie sie verschwunden sind

Am Dienstag zogen Mitarbeiter der Küstenwache und der ansässigen Werft von Naoussa das Wrack aus dem Wasser. Darin fanden sich Schwimmwesten, Kleidungsstücke, abgepackte Brotlaibe und Wasserflaschen sowie einige Rucksäcke der Gestrandeten mit ihrem persönlichen Hab und Gut. Es sind Dokumente ihrer Tragödie.

Die Hilfesuchenden sind so schnell gekommen, wie sie wieder verschwunden sind, wie ein Wind, der die Inseln durchrüttelt, bis die Sonne wieder scheint und das Meer glatt ist. Das Schicksal dieser Menschen ist bis dato unbekannt und kaum nachzuverfolgen, allzumal ihre Namen nur den Behörden bekannt sind. Was von ihnen bleibt, ist wie ein Negativ, ein Abdruck im Gewebe der Insel. Die Personen selbst sind verschwunden wie sie kamen – fast wie Geister auf einem Geisterschiff. Das ist Alltag im Mittelmeer in Zeiten der Migration.

In Paros ist man erleichtert, die Krise gut gemeistert und das Problem beseitigt zu haben. Silvester können die Bewohner nun unbeschwert feiern, und bald wird man sich auf die nächste Touristensaison vorbereiten.

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