Berlin - Stell dich nackt an den Fuß des Wasserfalls im Viktoriapark. Leg dich auf einen Stein, schließ die Augen. Warte, bis das Wasser zu fließen beginnt. Mit geschlossenen Augen ist es besser, da bist du konzentrierter, näher an Meditation. Bald hörst du das Wasser. Es läuft den ganzen Weg von oben herab. Es ist noch weit weg, aber es kommt immer näher. Auf deiner rechten Seite hörst du die Stadt, auf deiner linken den Wasserfall.

Ich habe mich mein Leben lang vor der Natur gefürchtet. Sie ist unberechenbar und gewalttätig. Ich war glücklich und aufgeregt, aber auch sehr nervös, am Wasserfall zu sitzen. Der Stein ist kalt. Du fühlst nichts, bist überwältigt und aufgeregt. Das Wasser ist nur noch 20 Meter von dir entfernt. Da ist es, das Geräusch, zehn Meter, jetzt hörst du es deutlich. Ein kleiner Strom geht durch die Steine und berührt deine Brust, deine Hüften. Bald wird es ein gewaltiger Wasserfluss sein. Ich wollte vor Glück schreien und weinen zugleich. Aber das eiskalte Wasser zog mein Herz zusammen, und so konnte ich nicht mal mehr atmen. Meine Hände und Füße wurden blau, ich konnte sie nicht fühlen. Ich öffnete meinen Mund und begann, schwer zu atmen. Ich wurde zu Wasser. Mein Körper verwandelte sich: in einen Stein.

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