Schon die erste Szene des französischen Films „Oxygen“ ist eine Prüfung für Menschen mit Neigung zur Klaustrophobie: Eine Frau erwacht in tiefer Dunkelheit, nur schwach beleuchtet von einem roten Notlicht. Sie ist gefesselt und verpackt in einer Art Frischhaltefolie, aus der sie sich panisch schreiend befreien kann, nur um zu entdecken, dass sie in einem Kyrosarg liegt, einem lebenserhaltenden Computersystem, das zu allem Überfluss auch noch reden kann.

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Die Frau namens Elizabeth Hansen (Mélanie Laurent) weiß weder, wo sie ist, noch wie sie in diesen Edgar-Allen-Poe-artigen Albtraum geraten ist. Der sedierend schwatzende Computer „Milo“ ist bei der Lösung dieses Problems keine große Hilfe, auch wenn er in regelmäßigen Abständen Beruhigungsmittel offeriert. Um den Spaß zu vergrößern, sinkt der Sauerstoffgehalt in der Kammer rapide.

Escape Room meets Russisch Roulette

Die Zeit drängt, Hansen muss einen Weg aus der Kapsel finden, wenn sie nicht ersticken will. Was in den ersten 20 Minuten wie ein im wahrsten Sinne des Wortes atemloses, aber recht absehbares Kammerspiel anmutet, entwickelt sich durch eine hübsch-abstruse Storyline zu einem spannenden kleinen Lowbudget-Thriller, der passgenau in einer Reihe steht mit anderen Klaustrophobie-Knallern wie „Buried“ von Rodrigo Cortés und dem zweimal von George Sluizer verfilmten Schocker „The Vanishing“. Auch „Oxygen“ bedient sich dabei einer so simplen wie krassen Idee: Wie ist die Protagonistin in dieses Behältnis gelangt, und vor allen Dingen: Wie kommt sie wieder heraus?

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Alexandre Ajas „Oxygen“ präsentiert die Lösung als eine Form des Erinnerungsspiels, eine Kette der logischen Rückverfolgung der Geschehnisse, die Elizabeth Hansen am Ende dazu führen soll, den Sarg zu öffnen. Der Film spielt aber schlauerweise schon früh in der Handlung mit der Frage, warum der Sarg denn überhaupt verschlossen ist, wenn seine Insassin mit allen Mitteln am Leben erhalten werden soll. Ist „das Draußen“ eventuell noch unangenehmer als der mögliche Erstickungstod? Befindet sich der Kyrobehälter unter der Erde? Gar in einem noch größeren Sarg? Ist es ein Test oder purer Sadismus?

Dank dieser Fragen verliert „Oxygen“ mit zunehmendem Verlauf seine Ähnlichkeit mit dem oben genannten Drama „Buried“ und erinnert dann vielmehr an den famosen kanadischen Sci-Fi-Schocker „Cube“ (1997), in dem eine ähnliche Versuchsanordnung eine scheinbar wahllos zusammengewürfelte Gruppe Menschen dazu zwingt, durch die Lösung mehrerer Rätsel einem mysteriösen Gefängnis zu entkommen. Wie bei „Oxygen“ droht auch hier bei einer falschen Lösung der Rätsel unweigerlich der Tod. Escape Room meets Russisch Roulette.

Wertung: 3 von 5 Punkten

Oxygen läuft bei Netflix.


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