Berlin - Es ist der stereotype Albtraum Vieler: Die Suche nach dem oder der Seelenverwandten. Das perfide Versprechen, es gebe die eine Person auf Erden, mit der man diese wundersame Verbindung teilt. Unvollständig, wer noch auf der Suche danach ist. Schon Platon erzählte von jenen sehnsüchtigen Menschen, die ihrer verlorenen gegangenen Hälfte hinterherliefen.

Sehnsucht verkauft sich gut. Auch in der neuen Netflix-Serie „The One“ werden Seelenverwandte gesucht. In einer gar nicht allzu fernen Zukunft gibt es die Möglichkeit, per DNA-Probe sein Match, so nennt man Seelenverwandtschaft verkaufsträchtig im 21. Jahrhundert, zu finden. Das Unternehmen The One ist eine Art genbasiertes Tinder. Zukünftige Matches müssen sich nicht mehr in beschämenden Small-Talk-Nachrichten kennenlernen. Der Vorteil: auch ironische Witzchen können so nicht missverstanden werden. Egal, ob man Interessen, Geschmack oder politische Ansichten teilt. Allein die DNA ist entscheidend. Passt die mit einer der anderen Proben in der Datenbank, ist das Liebesglück gefunden. Chefin ist die rücksichtslose Rebecca Webb (Hannah Ware), die für den Unternehmenserfolg über Leichen geht und im Mittelpunkt einer Mordermittlung steht.

Ob die Serie nun romantisches Sci-Fiction-Abenteuer oder Krimi sein soll, man bleibt auch nach acht Folgen eher ratlos zurück. Für eine gute Krimiserie hat der Mordfall zu viele Schwächen, gleichzeitig ist die Geschichte um DNA-Paarungen viel zu dünn. Sobald das Publikum ein Match kennenlernt, wechselt das Drehbuch zur lückenhaften Mordgeschichte. Die Charaktere bleiben oberflächlich, einzig und allein wegen der klugen Kommissarin Kate (Zoë Tapper) guckt man weiter.

Auch von der so angepriesenen Seelenverwandtschaft kriegt man kaum etwas mit, Matches zeigt The One nur schwafelnd um das erste Treffen. Da schwatzen sie von einer Nähe, die sie so noch nie gefühlt hätten. Schon vor dem ersten Kuss wäre ihnen klar, wie die oder der Gegenüber schmeckt. Und – man fühle sich endlich vollkommen. Gruselig, wer solche Ansichten noch laut ausspricht. Wie vollkommen und authentisch kann die Liebe sein, wenn man vorab nur unfertig, gar lückenhaft war? Und warum ist die Paarbeziehung eigentlich das höchste Glück?

Dies ist keine Serie für Trottel, die noch an die Geheimnisse der Liebe glauben. An den Reiz des Kennenlernens. Die Magie des Flirtens. Für spannende, wenn auch überflüssige, weil nicht zukunftsträchtige Techtelmechtel – im effizienzorientierten Kapitalismus scheint dafür auch in der Liebe keine Zeit mehr zu bleiben. Das beweist Netflix mit dieser Serie nur all zu gut.

Bewertung: 2 von 5 Punkten.

„The One – Finde dein perfektes Match“ läuft bei Netflix. Alle acht Folgen sind online abrufbar.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.