Berin - Die New York Times widmet die Seite 1 ihrer Sonntagsausgabe den Chancen und Herausforderungen klimafreundlicher Verkehrspolitik und thematisiert dabei auch die Situation in Berlin. Die Autorinnen und Autoren des Textes mit dem Titel „Straßenbahnen, Seilbahnen, elektrische Fähren: Wie Städte den Verkehr neu denken“ gehen dabei explizit auf E-Mobilität und auf die Frage ein, wie sich Großstädte mit Elektrostrom-Lösungen dem Klimawandel stellen können. Der Untertitel des Textes: „Städtischer Verkehr ist von zentraler Bedeutung, um den Klimawandel zu verlangsamen. Einfach auf Elektroautos umzusteigen, wird nicht funktionieren. Mehrere Städte setzen daher auf die Elektrifizierung ihres Nahverkehrs.“

Neben Städten wie etwa Bogotá oder Bergen geht es in dem Text auch um Berlin. Als eine der Lösungen für eine innovative Verkehrspolitik wird der Ausbau von Tramlinien herausgestellt. Zitatgeber ist der Grünen-Politiker Ingmar Streese, Staatssekretär für Verkehr in Berlin. In dem Text bezeichnet Streese die Abschaffung vieler Tramlinien in der Ära des Mauerbaus als „historischen Fehler“. Die West-Berliner Regierung habe sich dabei besonders unrühmlich verhalten. 1967 wurden nahezu alle Linien der „Elektrischen“ in West-Berlin liquidiert, heißt es in dem Bericht, Tramlinien wurden durch motorisierten Verkehr ersetzt.

Jetzt aber entdecke man in Berlin die Vorteile der Tram als klimafreundliches Verkehrsmittel wieder, so Streese. „Die Fehler der 1960er-Jahre werden wieder korrigiert“, sagt der Verkehrspolitiker. In dem Text wird ebenso erwähnt, dass der Plan, Tramlinien auszubauen, einen Kulturkrieg entfacht habe. Nicht bei allen Berlinern seien die Trambahnen beliebt. Denn sie seien langsamer als U-Bahn-Züge und vor allem lauter. Außerdem sei die Tram ein Symbol Ost-Berlins, historisch betrachtet ein Verkehrsmittel des Ostblocks und der DDR. Daher sei die Akzeptanz im Westen geringer.

Als beispielhaft wird der Streit um den Ausbau der M10 über die Oberbaumbrücke beschrieben. Es gebe zahlreiche Befürworter, die die Verzahnung von Ost und West mit Tramlinien als logischen Schritt bewerteten. Kritiker wiederum befürchten, dass die Erweiterung Platz rauben und Fahrradwege und Straßen verengen würde. Über das Ob gebe es aber keinen Zweifel mehr, so der Text. Es gehe jetzt vielmehr um das Wann. „Der Ausbau wird nicht so schnell passieren“, sagt Streese der New York Times. „Aber er wird passieren.“