Berlin/Uckermark - In den vergangenen Wochen hatten wir regenreiches Wetter mit einigen sonnigen Unterbrechungen. Ideales Wetter für das Pflanzenwachstum also. Leider, und das ist hier die Krux, nicht nur für das Wachstum der Pflanzen, die wir gerne sehen, sondern auch für all die ungebetenen Gäste in unseren Gärten. Unkräuter, Beikräuter, Wildkräuter: Ganz egal, wie wir sie nennen – sie alle sind in den vergangenen Wochen gehörig in die Höhe geschossen.

Mir persönlich scheint „Unkraut“ noch immer der passendste Name. Eben weil es kein wissenschaftlicher Begriff ist, sondern damit ganz deutlich all die Pflanzen bezeichnet werden, die zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort für eine bestimmte Person un-erwünscht wuchern. Das heißt, ein Kraut (so der richtige deutsche Name für alle nicht holzigen Pflanzen), das ich in einer Wildwiese eigentlich gerne sehe, kann in meinem Beet eher störend wirken.

So oder so, Unkraut oder Beikraut – die unerwünschten krautigen Pflanzen bereiten im Garten Probleme. Und aktuell eben noch mehr als im selben Zeitraum der vergangenen beiden, ziemlich trockenen Jahre. Es gibt fünf Methoden der Unkrautbekämpfung, auf die jeder Gärtner und jede Gärtnerin irgendwann einmal zurückgreifen wird. Wie aufwendig sich diese gestalten, hängt auch davon ab, wie häufig man sich dem wuchernden Problem überhaupt zuwendet.

Wer immer mal ein Pflänzchen rupft, hat schnell viel erreicht

Das regelmäßige Jäten zum Beispiel macht mir persönlich sogar Spaß. Ohne dieses kann das Gärtnern schnell zu einer ziemlich undankbaren Aufgabe werden. Und ich glaube, jede Gärtnerin und jeder Gärtner kennt die große Zufriedenheit, die sich einstellt, wenn man eine Bepflanzung erfolgreich von allen Unkräutern befreit hat.

Am liebsten jäte ich sozusagen nebenbei. Morgens bei einem ersten von mehreren täglichen Rundgängen durch den Garten, mit einer Tasse Kaffee in der Hand, ziehe ich hier und da schon mal einzelne unerwünschte Pflanzen heraus. Denn wenn ich bei jedem Gang nur zehn davon auf diese Weise entferne, dann rechnet sich das schnell: Zwei Gänge am Tag an 100 Tagen, jeweils die zehn Pflanzen entfernt – das macht 2000 Pflanzen, die ich quasi im Vorübergehen jäte. Zwischendurch stelle ich dann meistens ohnehin noch meinen Kaffee ab und vertiefe mich für 20 Minuten in eine Ecke, die ich dann komplett von allem Wildwuchs befreie.

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Giersch lässt sich am besten durch Mähen entfernen.

Das Rausziehen samt Wurzeln ist die am schnellsten wirksame Art, dem Unkraut den Garaus zu machen. Besonders wenn die Erde leicht feucht und die Pflanze noch nicht allzu eingewachsen ist, funktioniert das ganz hervorragend. Man entfernt dabei die ganze Pflanze und mit ein bisschen Glück (und Vorsicht) werden so auch ihre Ausläufer herausgeholt. Manchmal hat man es nur auf einen einzelnen sichtbaren Stängel abgesehen – und hat dann plötzlich ein ganzes Wurzelgeflecht mit vielen Trieben in der Hand.

Die ideale Methode ist das zum Beispiel bei Brennnesseln (Urtica dioica), bei Löwenzahn (Taraxacum officinale) und verschiedenen Gräsern. Sie alle müssen samt der Wurzeln entfernt werden, sonst treiben sie schnell wieder aus. Anders sieht es schon bei dem Giersch (Aegopodium podagraria) aus. Obwohl das Rausziehen auch bei ihm erst mal effektiv erscheint, regt man durch die Bodenstörung das Wachstum der nicht erwischten Giersch-Wurzelteile eher noch an. Denn der Giersch ist ein Sensibelchen, bei jeder Störung fühlt er sich ermutigt, den Boden möglichst schnell wieder zu schließen.

Das ständige Umgraben nimmt dem Boden viele Lebewesen

Deshalb ist das Schneiden und Mähen manchmal doch besser geeignet. Manch krautige Pflanze lässt auch gar keine andere Wahl, zum Beispiel die verschiedenen Arten der Winde. Deren Wurzeln reichen metertief in den Boden, sie lassen sich nie und nimmer komplett herausziehen. Und jedes Wurzelteilchen, das in der Erde verbleibt, bildet neue Triebe – also sollten die Wurzeln auch nicht über den Kompost entsorgt werden. Schließlich würde man sich so garantiert einen ganz neuen Windenbestand in einen anderen Teil des Gartens holen.

Auch den Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) und andere Tiefwurzler wie den sehr invasiven Japanischen Knöterich (Fallopia japonica) kann man durch regelmäßiges Schneiden oder Mähen dezimieren. Der Neuaustrieb der Pflanzen nach einem Schnitt verbraucht Energie, die erst mit Fotosynthese wieder ersetzt werden kann. Schneidet man also regelmäßig, noch bevor die Pflanzen ihre vielen Blätter bilden, verlieren sie langsam aber sicher an Kraft. Eine ausgezeichnete Herangehensweise ist das nicht nur beim Japanischen Knöterich, sondern auch bei Disteln und Brennnesseln.

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Auch den Ackerschachtelhalm schneidet man am besten ab.

Ein weiterer Klassiker im Kampf gegen das Unkraut ist das bloße Umgraben. Als einmalige Aktion eignet sich dieses besonders gut bei sehr großen Flächen einer Neubepflanzung. Regelmäßig sollte man dies aber nicht tun, weil dabei viele Nährstoffe und bodenaktive Lebewesen verloren gehen. Schließlich wird die belebte obere Bodenschicht nach unten gebracht – und von einer Schicht bedeckt, in der sich nur noch wenig Leben tummelt.

Das ist natürlich kontraproduktiv und letztlich auch ein Grund dafür, dass die Landwirte und Landwirtinnen so viel künstliche Nährstoffe (in Form der stinkenden Gülle) ausbringen müssen. Sie verdammen sich im Grunde selbst dazu, jedes Jahr von vorne anzufangen. Von einem echten „Bodenleben“ auf den Feldern kann man allerdings ohnehin nicht mehr sprechen, so ausgelaugt, wie die Böden mittlerweile sind.

Manches Unkraut kann nach dem Entfernen gut gegessen werden

Eine vorzügliche Möglichkeit, um vor einer Neubepflanzung eine unkrautfreie Fläche herzustellen, ist das Bedecken. Es gibt verschiedene Materialien, mit denen sich die Erde für eine bestimmte Zeit abdecken lässt. Dabei wird den unerwünschten Pflanzen das Licht genommen und so ihr Wachstum unterdrückt. Bei kleinen Flächen reicht schon Karton oder ein bisschen Folie; ich selbst habe schon oft Schafschurwollmatten von der Rolle genommen (erhältlich zum Beispiel über meyer-shop.com für fünf Euro den Quadratmeter). Das ist etwas preisintensiv, funktioniert aber hervorragend.

Der Vorteil hierbei ist, dass sich die Schafschurwollmatten nach ein paar Jahren rückstandslos auflösen und dabei noch Nährstoffe für die Pflanzen abgeben. Eine sehr gute Methode, wenn zügig gepflanzt werden soll: Die Matten können nämlich ausgelegt und einfach mit einer dicken Schicht Erde bedeckt werden, in der dann nach Herzenslust und ohne Angst vor Unkräutern gepflanzt wird.

Berliner Verlag/Stephanie F. Scholz
Die Wochenendausgabe

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.

Am 29. Mai 2021 im Blatt: 
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Es gehört wohl zur Chronistenpflicht, auch das Unkrautvernichtungsmittel zu erwähnen. Das ist alles andere als die ideale Wahl und teils ja auch verboten, also will ich darüber nicht allzu viele Worte verlieren. Nur so viel: Meiner Meinung nach haben diese „Gifte“ im Garten nichts zu suchen. Außer in einer Notsituation vielleicht. Eine, die diesen Einsatz rechtfertigen würde, ist aber zumindest mir noch nicht begegnet.

Zu guter Letzt also noch eine weitere, eine besonders schöne Methode, dem Unkraut Herr zu werden: das Verzehren! Ob Tee aus Brennnesseln, Pesto aus Giersch oder Salat aus Löwenzahn – sehr viele Wildkräuter sind genießbar. Gerade neulich habe ich noch Brennnessel-Samen von einer dankbaren Dame zugeschickt bekommen, die ich im Garten beraten hatte. Selbst gepflückt und liebevoll verpackt, auf dass sie mir im Müsli oder als Zugabe im Saft schmecken mögen.


Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.