Berlin - Spitzenprominente wie der ehemalige SPD-Parteivorsitzende Kurt Beck, der TV-Historiker Guido Knopp und der weltbekannte Musiker Lang Lang kennen und lieben sie: Die „Peking Ente“ in der Voßstraße. Das Restaurant gilt deshalb mit Fug und Recht als die heimliche Grande Dame der Berliner Chinarestaurants. Sogar Herbie Hancock und Barbra Streisand wurden hier schon gesehen. Die Managerin des Restaurants ist Mengling Tang, die neben dem Restaurant selbst auch die sehr unterhaltsame Facebook-Seite betreibt. Sie können es sich denken: Die „Peking Ente“ ist nach dem gleichnamigen chinesischen Nationalgericht benannt.

Das Rezept für die heutige Peking-Ente entstand in der Ming-Dynastie (von 1368 bis 1644). Die letzte von Han-Chinesen dominierten Monarchie Chinas gilt mithin wohl zu Recht als Blütezeit der chinesischen Kultur und Küche. Durch europäische und hier vor allem portugiesische Händler erreichte zudem die Chili-Schote im 16. Jahrhundert Chinas Küste und verhalf der scharfen Sichuan-Küche so zu ihrer Grundzutat. Der Handel mit Ausländern war in dieser Zeit stark reglementiert, so durften Schiffe aus Übersee nur an bestimmten Inseln in der Nähe von Guangzhou anlegen, eine der bekanntesten von ihnen ist das heutige Glückspielparadies Macau.

Die Berliner Zeitung sucht das beste China-Restaurant in Berlin! Lesen Sie hier, wie alles angefangen hat

China als bevölkerungsreichster Staat betrachtete sich schon vor der Ming-Dynastie als das eigentliche Zentrum der Welt. Der selbstgewählte Titel Reich der Mitte kommt also nicht von ungefähr. Offiziell unterhielt China bis zu den Opiumkriegen keine Handelsbeziehungen mit anderen Staaten, sondern betrachtete die Lieferungen fremder Händler lediglich als eine Art von Tributzahlungen, die nur aus Wohlwollen im Gegenzug mit Geschenken bedacht wurden.

Wenn Sie sich mal wie ein portugiesischer Händler der frühen Neuzeit fühlen wollen, schenken Sie ihrem 5-jährigen Neffen doch einfach mal einen Lego-Baukasten und freuen sich über das selbstgemalte Bild, welches Ihnen im Gegenzug generös überreicht wird. Wenn Sie sich in die Geschichte Chinas vertiefen wollen, sei an dieser Stelle das hervorragende Buch On China von Henry Kissinger empfohlen.

Peking Ente Berlin
Mhh, kleine Pekingröllchen zum Selbermachen!

Peking-Ente spontan bestellen? Kein Problem!

Die Räume der „Peking Ente“ sind recht zweckmäßig eingerichtet, trotzdem lohnt sich ein zweiter Blick, an den Wänden finden sich einige Stücke kontemporärer chinesischer Kunst, die auch im China Club hängen könnten. Ähnlich wie im China Club können Sie in der „Peking Ente“ auch Garnelen mit Wasabisauce bestellen. Die habe ich allerdings nicht probiert und kann deshalb weder zu- oder abraten.

Probiert habe ich allerdings die namensgebende Peking-Ente, die Sie (und das ist durchaus eine Besonderheit) je nach Lust und Laune ohne Vorbestellung auch spontan im Restaurant bestellen können (54,90 Euro). Sie können sich dann über feine Scheiben Entenfleischs freuen, die Sie zusammen mit Lauchzwiebeln und Gurkenscheiben in kleine Pfannkuchen einkleiden und dann unter Zugabe von Hoisin-Sauce genießen sollten. Bestellen Sie, gleich nachdem die Ente auf Ihrem Tisch ausgeliefert wurde, weitere Pfannkuchen nach: Sie werden sie brauchen! Optional können Sie sich aus den Knochen der Ente noch eine Suppe kochen lassen. Die Suppe wird nicht als Vor-, sondern als Nachspeise gereicht und soll den Magen schließen.

Lieblingsgericht: Mama Tangs Teigtaschen und Tigersalat

Aber auch, wenn Ihnen nicht nach Peking-Ente ist, finden Sie im Restaurant sicher etwas, was Ihnen schmeckt. Leider schwankt die Qualität der Speisen ein klein wenig, neben vielen guten werden auch manche eher durchschnittliche Gerichte gekocht. Mein (jetzt nicht mehr) heimlicher Favorit sind Mama Tangs Peking-Teigtaschen, die mit Garnelen, Hackfleisch und Schnittlauch gekocht und in Chiliöl mit Erdnusssplittern serviert werden. Dazu bestelle ich mir auch in der Mittagszeit gerne einfach einen Gurkensalat mit frischem Koriander, der als „Tigersalat“ auf der Speisekarte zu finden ist. Auch die Rinderkutteln sind eine gelungene, feingewürzte Vorspeise. Ein frisches Tsingtao-Bier aus der Flasche rundet diese Mahlzeit gut ab.

Wussten Sie, dass die Tsingtao-Brauerei 1903 als Germania-Brauerei von deutschen Siedlern in Kiautschou gegründet wurde? Das Bier wurde von Beginn an nach deutschem Reinheitsgebot gebraut, dadurch erklärt sich auch heute noch die allzu bekannte geschmackliche Charakteristik des Biers. Da Europäer in dieser Zeit in China vor allem in Form grobschlächtiger Kolonialherren auftraten, dürfte es nicht überraschen, dass das deutsche Bier in China lange Zeit beliebter war als die Deutschen selbst. Für ein erstes „Reinschnuppern“ in die Karte der „Peking Ente“ empfehle ich die folgenden Gerichte: D5, D8, 12, 17, S2, 64 und 72 – davon können auch zwei Gäste satt werden.

Bewertung: 4 von 5

Peking Ente, Voßstraße 1, 10117 Berlin, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 11.30–22 Uhr, Sonnabend, Sonntag 12–22 Uhr.

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