Es ist ein Zwischenspiel im Brandenburger „Polizeiruf“: Maria Simon ist mit ihrer Kommissarin Olga Lenski ausgestiegen, André Kaczmarczyk als Nachfolger noch nicht angekommen – so muss Lucas Gregorowicz als Adam Raczek diesmal solo arbeiten. Ganz allein aber bleibt er nicht, denn der Fall zieht ihn nach Cottbus, wo er nicht nur seine frühere Kollegin Alexandra (Gisa Flake) wiedersieht, sondern auch auf seinen ekligen Ex-Chef (Bernd Hölscher) trifft, der seine Ressentiments gegenüber Polen kaum unterdrücken kann und der die politische Dimension des aktuellen Falls herunterspielen will.

Eine Bauingenieurin aus Cottbus ist tot im Asbestschutt bei Frankfurt (Oder) entdeckt worden. Sie wollte einem Israeli und dessen Tochter Unterlagen über das frühere Haus der Familie zukommen lassen, das 1944 einem Deutschen übertragen worden war und um das jetzt vor Gericht gestritten wird. Was der greise Mann, der als Kind den Holocaust überlebte, gut 75 Jahre später in Deutschland erlebt, das hat der aus Israel stammende Regisseur Dror Zahavi mit Details aus der eigenen Familiengeschichte gespickt. Wie Zahavis Großonkel wird auch Zvi Spielmann (Dov Glickman) von einem arroganten Immobilienentwickler (Sven-Eric Bechtolf) genauso beschimpft wie einst von einem höhnischen SS-Mann: „Du bist am Arsch!“

Frankfurt (Oder) oder Frankfurt-Oder?

Auch wenn diese Auseinandersetzungen mitunter vom Aufklärerischen ins Belehrende übergehen und die Szenen mit dem polenfeindlichen Kripo-Chef recht grob wirken, so kann Kommissar Raczek mit historischer Sensibilität überzeugen und die Zuschauer erfahren Interessantes über seinen familiären Hintergrund. Das insgesamt trotzdem eher spröde Kriminalstück hat seine stärksten Szenen in den stillen Momenten, in denen sich die über 80-Jährigen an ihre Kindheit im Haus erinnern: Hier begegnet Zvi Spielmann, der als Kind Hermann hieß, seiner deutschen Spielgefährtin Elisabeth, deren Sohn nun um das Haus streitet. Dov Glickman und Monika Lennartz zeigen berührende Momente um Schuld und Vergebung. Doch längst nicht alles ist stimmig: So wissen die Produzenten immer noch nicht, wie Frankfurt (Oder) geschrieben wird und stellen hartnäckig falsche Straßenschilder auf – die Oder steht in Klammern und nicht nach einem Bindestrich!

Wertung: 3 von 5 Punkten

Polizeiruf 110: Hermann, So., 5. Dezember, 20.15 Uhr, ARD

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