Berlin -  Die Deutschen nehmen sich zu wenig Zeit, finde ich. Nach der Arbeit hasten sie immer gleich nach Hause, dann muss das Essen (fast immer Abendbrot!) auf dem Tisch stehen und danach geht es vor die Glotze. In meiner belgischen Heimat nehmen sich die Menschen mehr Zeit. Man geht nach der Arbeit gerne noch auf einen Aperitif – ich trinke meist einen Negroni – in die Bar, oder aber man bereitet zu Hause seinen eigenen Apéro vor. Die Kinder dürfen dann noch ein bisschen im Garten schaukeln und die Eltern können sich bei ein paar alkoholischen Einheiten, wie Mediziner sagen, ein bisschen entspannen.

Und was reicht man für Kleinigkeiten zum Apéro? Wenn es ganz schnell geht, gibt es bei mir meist Salami, Schinken und ein paar Oliven. Wenn ich aber ein paar Minuten Zeit habe, dann mache ich herzhaftes Popcorn im Topf. Denn das erinnert mich an meine Kinderfrau Maria. Ich saß als Kind immer gespannt neben dem Herd auf der Arbeitsplatte und habe darauf gewartet, dass die atomare Kettenreaktion beginnt.

Denn ist das Popcorn (Sie müssen unbedingt speziellen Popcorn-Mais benutzen, denn gewöhnlicher Mais poppt nicht gut!) im Öl – ich nehmen manchmal auch Gänsefett – heiß genug, dann poppt erst ein Maiskorn und dann gefühlt alle auf einmal. Dann hört es sich an wie eine Maschinengewehrsalve. Und binnen Sekunden drücken die weißen Popkörner den Deckel hoch.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt

Und wie schmeckt Popcorn am besten? Zunächst einmal, süßes Popcorn wie man es etwa im Cinemaxx am Potsdamer Platz bekommt, können Sie für den Apéro gleich vergessen. Denn Popcorn schmeckt nur herzhaft. Das Grundrezept ist immer das gleiche: sie bedecken eine Handvoll Maiskörner leicht mit Fett und erhitzen das ganze bei starker Hitze (Vorsicht: aufgepoppte Körner können schnell anbrennen!). Danach können Sie nach belieben würzen. Meine neue Lieblingsversion hat mir eine Kollegin vergangene Woche beigebracht. Sie hat neben ordentlich Salz ein bisschen geschmolzene Butter, klein-gebröseltete Nori-Algenblätter und ein bisschen Nährhefe unter die Popkörner in der Schale gemischt. Das schmeckte herrlich fettig, nach Meer und zugleich ein bisschen nach Käse. Das passt perfekt zu Rosé, Bier oder einem schönen Weißwein.

Aber lassen Sie sich von Ihren Gefühlen und ihren Resten in Kühl- und Vorratsschrank leiten. Denn der Fantasie sind bei der Popcornherstellung keine Grenzen gesetzt: Probieren sie etwa Popcorn mit feingeriebenem Parmesan und Rosmarin, oder mit Chili und Salbei. Oder einfach mit Salz, Butter und Honig. Sie werden sehen, die Grenzen des guten Geschmacks sind wirklich sehr dehnbar. Ich träume zum Beispiel gerade von Popcorn mit Tabasco und knusprig angebratenem Bayonner-Speck. Auch wenn die Küche danach wieder aussieht wie Sau, ich glaube ich probiere das mal aus am Sonnabend.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.