Berlin - Beziehungen sind ein fragiles Gut, wie ich herausgefunden habe, als ich mal einen verliehenen Merino-Pullover zurückbekam. Der Freund, dem ich die italienische Strickware geborgt hatte, hatte dieselbige offenbar in kompletter Umnachtung in der Waschmaschine gewaschen. Ergebnis: Wenn bauchfrei diesen Sommer wieder ein modisches Thema ist, bin ich mit einem blauen Merino-Pullover voll dabei. Pulli ruiniert, Freundschaft angeschlagen.

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, Merinowolle in der Maschine zu reinigen. Allerdings nicht zu oft und besser in einem Wäschenetz, das es inzwischen auch im Drogeriemarkt gibt. Doch wer seine Strickwaren (das gilt nicht nur für die feine Schafwolle Merino, die sowohl gut wärmt als auch kühlt, sondern für alle Wollsorten) nicht knalleng am Körper trägt, sie regelmäßig auslüftet und danach darauf achtet, sie bloß nicht taufeucht zurück in den Schrank zu packen, sollte seine Pullover und Schals besser nur einmal im Jahr durchwaschen: am Ende des Winters. Ausgenommen davon sind Materialien wie zum Beispiel Kaschmir, welches selbstreinigende Eigenschaften besitzt und eigentlich kaum gewaschen werden muss. 

Zwar gibt es im Web unzählige Seiten, die nassforsch empfehlen, Kaschmir in der Maschine zu waschen. Meine eigene Erfahrung aber ist, dass das Lieblingsstück danach nicht mehr dasselbe ist – schon wieder eine Beziehung, die einer harten Probe ausgesetzt ist. Wer dennoch den Drang verspürt, seine Kaschmirwolle zu waschen, der tut es am besten von Hand. Das ist zwar eine mittelalterliche Plackerei, schont aber die Wolle. Dafür sollte man den Kaschmirpulli auf links drehen und mit einem rückfettenden Waschmittel in maximal handwarmem Wasser einweichen. Nach einer halben Stunde spült man ihn dann unter laufendem, kaltem Wasser so lange aus, bis keine Waschmittelrückstände mehr zu sehen oder zu riechen sind. Ein Tipp: Tragen sie dabei Gummihandschuhe, ihre ansonsten danach leichenkalten Hände werden es ihnen danken.

Den tropfnassen Pullover oder Schal rollen Sie nun in ein Frotteehandtuch und pressen damit vorsichtig das Wasser heraus. Auf keinen Fall dürfen Sie die Wolle (das gilt nicht nur für Kaschmir) auswringen, denn sie verzieht sich sonst im nassen Zustand irreparabel. Sind die Wollsachen danach so trocken, dass nichts mehr tropft, legen Sie sie flach auf einen Wäscheständer und zwar möglichst so, dass kein Teil vom eigenen Gewicht nach unten gezogen wird. Den feuchten Pullover auf keinen Fall auf einen Bügel hängen, denn auch hier verzieht sich die Wolle durch ihr Eigengewicht.

Wer Wolle in der Maschine waschen möchte, etwa Socken und Mützen, der wählt das Wollwaschprogramm an und nimmt ein dazugehöriges Waschmittel. Selbst normales Feinwaschmittel ist oft zu intensiv für Wolle, beschwert die Faser und lässt sich zudem im Wollwaschprogramm schlecht ausspülen. Da die Wolle den Geruch des Waschmittels stark aufnimmt, hänge ich die Wollsachen nach dem Trocknen meistens noch mal ein paar Stunden auf dem Balkon auf. Danach werden sie in einem möglichst luftdichten Behälter bis zum kommenden Winter aufbewahrt, bewacht von einer Mottenfalle. Aber wenn das so weitergeht, dann sitzen wir ja ohnehin auch in sechs Monaten noch im Homeoffice. Da reichen dann auch Jogginghose und Sweatshirt, und der Merino-Pullover kann im Schrank bleiben.


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