Palma de Mallorca - Der Sommer nimmt langsam Fahrt auf und immer mehr Früchte werden jetzt auch hierzulande reif. Essen Sie Obstsalat – und zwar für den Völkerfrieden! In meinem Geburtsland Italien, einem Land mit einer sagenumwobenen kulinarischen Tradition und Vielfalt, wird der Obstsalat „Macedonia“ genannt. In der Vorstellung der alten Italiener wurde dieser Begriff dem bunten Allerlei dieser Speise gerecht.

Macedonia bezeichnet aber nicht nur den Obstsalat, sondern ursprünglich das Land Mazedonien auf dem Balkan. Und der Balkan ist seit Jahrhunderten ein Schmelztiegel der Kulturen und Religionen, ein Ort, an dem sich Okzident und Orient vermischen – und ein Ort, wo wunderbare Zwetschgen, Pfirsiche und andere Früchte wachsen.

Berliner Verlag
Die Wochenendausgabe

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.

Am 5./6. Juni 2021 im Blatt: 
Ein Porträt über Sven Marquardt: Wie der Künstler das Berghain verließ und sich im Lockdown als Fotograf neu entdeckte

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Uns geht das Wasser aus! Wie Berlin und Brandenburg mit der drohenden Dürre umgeht

Die großen Food-Seiten: Eines der besten süddeutschen Restaurants in Kreuzberg. Und: Eine Portion Hass gegen den deutschen Spargel

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Auch der weltberühmte Koch René Redzepi, Gründer des Restaurant Noma – lange Zeit das wohl beste Restaurant der Welt – und Miterfinder der „Nordic Cuisine“, hat mazedonische Wurzeln. Er war es, der wie ein Magnet junge Köche aus aller Welt nach Kopenhagen lockte und dort eine völlig neue Art der Küche schuf. Doch schaut man genau hin, dann ist sie geprägt durch die Einflüsse all der Köche, die Redzepis Ruf nach Kopenhagen folgten. Quasi auch ein großer Schmelztiegel, ein buntes Allerlei an Kochtechniken, Ideen und Geschmacksprofilen aus aller Welt.

Nun aber zum Obstsalat, unserer erwählten Speise für Vielfalt und Völkerverständigung. Jeder von Ihnen hat sicher schon einen Obstsalat gegessen und auch mal einen gemacht. Der Vielfalt sind eigentlich keine Grenzen gesetzt– alles kann, nichts muss. In Apulien bekam ich mal einen Obstsalat mit Walderdbeeren, Melone, Gurke und Basilikum. Französische Freunde bereiteten ihn mit Apfel, Birne, Banane, Orange, Mandelsplittern und flambiertem Grandmarnier zu.

Der Baukasten für den Obstsalat ist riesig, die möglichen Kombinationen erinnern einen an die angebotenen Zahlen für den Lottoschein. Gewürze wie Vanille, Tonkabohne, Zimt und sogar Pfeffer peppen das Allerlei auf, Zitrusfrüchte wie Zitronen, Limetten, Blutorangen oder Grapefruit spenden Säure und herbes Aroma. Honig und Sirupe (Ahorn, Holunderblüten etc.) sorgen für vollmundige Süße. Nüsse schenken uns den Geschmacksträger Fett und waldige Aromen. Dazu Tropenfrüchte, Liköre und Schnaps ... es hört gar nicht mehr auf. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und die Vielfalt des natürlichen Angebots überschreitet unsere menschliche Kapazität. Nun aber zu meinen Rezepten.

Das Rezept: Macedonia für warme Tage

Zutaten: Gelbe Melone, Gurke (geschält), Beeren (was reif und gut ist), Pfirsich, Abrieb und Saft von Limetten, flüssiger Honig nach Geschmack, Zitronenmelisse und Minze, Pinienkerne (geröstet)

Zubereitung: Den Honig, Limettensaft und -abrieb in der Schale zu einer Art Vinaigrette mischen. Die Blätter von Zitronenmelisse und Minze zupfen, waschen, in feine Julienne schneiden und dazugeben. Die gewaschenen und abgetrockneten Beeren dazugeben, das Obst mundgerecht schneiden (ich finde, umso kleiner, desto besser), mit den Pinienkernen dazugeben und alles gut mischen. Gerne außerhalb des Kühlschranks eine halbe Stunde durchziehen lassen. Bei Zimmertemperatur schmeckt es mir einfach besser.

Das Rezept: Macedonia für kalte Tage 

Zutaten: Orangen, Banane, Apfel, Birne, Trauben, Haselnüsse und Walnüsse (grob gehackt), Saft und Abrieb von Zitrone, Ahornsirup, Ingwersaft (oder Ingwer fein gewürfelt)

Zubereitung: In der Salatschale mit Saft und Abrieb der Zitrone, Ahornsirup und Ingwer eine Art Vinaigrette herstellen. Das Obst mundgerecht schneiden und in die Schale geben, Nüsse dazu und  gut durchmischen. Ziehen lassen und bei Zimmertemperatur essen.

Felix Hanika war zunächst Investmentbanker, dann machte er im Hotel & Restaurant Bareiss im Schwarzwald eine Kochlehre. Acht Jahre kochte er in den besten Restaurants der Welt. Heute lebt er auf Mallorca. In der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung schreibt er regelmäßig über seine Lieblingsprodukte.

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