Wenn jemand seinen Vater als „Drecksau“ im Handy abgespeichert hat, ist das Verhältnis wahrscheinlich nicht übermäßig herzlich. Der stets grimmig blickende Kommissar Adam Schürk (Daniel Strässer) wird beim Abendessen mit dem Team von seinem Vater (Torsten Michaelis) angerufen und nach Hause gelockt. Die Kollegen müssen sich kurz darauf um einem Mordfall kümmern. Am nächsten Morgen ist dann auch Schürks Vater ein Fall für die Kommissare – er wurde mit der Dienstwaffe seines Sohnes erschossen.

Der Saarbrücker „Tatort“ ist damit schon der dritte ARD-Sonntagskrimi hintereinander, in dem ein Polizist unter Mordverdacht gestellt wird – eine Koordination scheint es bei der ARD nicht mehr zu geben. Die zweite Konstante des Saarbrücker „Tatorts“ ist die übermäßig aufgeladene Vater-Sohn-Story. Der Neustart vor knapp zwei Jahren zeigte in Rückblicken, wie Schürk als Jugendlicher von seinem Vater tyrannisiert wurde, bis sein Kumpel Leo ihm zu Hilfe kam und den Vater mit einem Spaten ins Koma prügelte. Just als die beiden Jugendfreunde 15 Jahre später Kripo-Kollegen wurden, wachte er wieder auf und drohte mit Rache – die Jahre im Koma schienen erstaunlicherweise kaum Spuren hinterlassen zu haben.

Abgegriffene Bausteine aus dem Stabilbaukasten für Krimis

Hendrik Hölzemann, Autor aller drei Folgen, dachte sich für den fiesen Vater zum Finale eine besonders abgefeimte Gemeinheit aus. Torsten Michaelis hatte sichtlich viel Spaß beim Spielen – doch das höhnische Schurkenlachen passt eher in einen zweitklassigen Trash-Thriller. Vaters Trick führt den verhafteten Sohn in den Knast, wo schon weitere Schurken warten. Die Story greift zu abgegriffenen Bausteinen aus dem Stabilbaukasten für Krimis und schleppt sich so dahin. Hoffnung bereitet lediglich das Ende der vermaledeiten Story um den Tyrannen-Vater – Adam Schürk und Leo Hölzer (Vladimir Burlakow) müssen künftig nicht mehr so fixiert auf sich und ihr düsteres Geheimnis sein.

Unter der Regie von „Tatort“-Debütantin Luzie Loose bekommen diesmal auch die Kolleginnen Esther Baumann (Brigitte Urhausen) und Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer) etwas mehr Profil. In den vorigen Fällen waren die beiden Frauen, obwohl genauso alt und als Hauptkommissarinnen gleichrangig wie Schürk und Hölzer, von den Kerlen noch wie unbedarfte Praktikantinnen behandelt worden. Das war noch ärgerlicher als die hanebüchenen Krimistorys.

Wertung: 2 von 5 Punkten

Tatort: Das Herz der Schlange – So, 23.1., 20.15 Uhr, ARD

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