Berlin - Scheidung – das klingt nach Zwietracht. Scheidung ist ein scharfes Wort, scharf wie das Fallschwert einer Guillotine, das aus großer Höhe unerbittlich auf ein Beziehungsende zurast und dem einstigen „Mein ein, mein alles“ ein Ende macht. „Wie konnte ich nur so dumm sein“, moppert es dann oft noch aus verbitterten Mienen, bis es niemand mehr hören kann und alle genervt nach Hause gehen. Das ist schade, denn eine Scheidung ist eigentlich ein Trauerfall. Da sind zwei Personen, die sich eingestehen müssen, dass sie ihr großes Versprechen nicht halten können oder wollen. Die Gesellschaft allerdings, so scheint es, will nur sehen, wer gewinnt. Boulevardblätter machen mit gescheiterten Beziehungen auf und zeigen „sein neues Glück“ oder „ihren Zusammenbruch“. Wer heult, hat verloren. Beim perversen Ergötzen am Drama zweier Menschen hört es allerdings noch nicht auf, oft werden auch Teams gebildet, die sich jeweils mit einer Partei solidarisieren sollen. Als wäre die Trennung eines Promi-Paares ein Champions-League-Finale. Nimm Platz, liebe Öffentlichkeit! Hol die Fahne raus! Bierchen? Die Vuvuzela als Soundtrack zum Herzschmerz. Denn scheiden tut weh, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Aber bevor ich diese Erfahrung machen konnte, musste ich erst noch versuchen, die Trennung zu gewinnen.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.