Tschechische Botschaft: Böhmischer Todesstern 

Als eine der größten architektonischen Verirrungen gilt sicherlich der mit dem Begriff Brutalismus nur grob definierte Baustil, der auch dieser Stadt seinen plumpen Stempel aufgedrückt hat. Mit dem Adjektiv „brutal“ hat er indes nichts zu tun, obwohl das natürlich ganz wunderbar passt, denn Gebäude des Brutalismus sind in der Regel die Antithese zu Feinsinn und Eleganz.

Die tschechische Botschaft steht auf dem ehemaligen Wilhelmplatz, der später in Thälmannplatz umbenannt wurde. Gegenüber befindet sich die ebenfalls bemerkenswert scheußliche Mall of Berlin, und beide Gebäude liefern sich einen Wettstreit darum, welches das hässlichste in dieser Ecke ist. Die Botschaft liegt knapp in Führung. Hinter den dunklen Scheiben dieses böhmischen Todessterns erahnt der Betrachter keinerlei Leben, niemand geht, niemand kommt. Diese getönten Scheiben waren in den 70er-Jahren State of the Art. Der Palast der Republik hatte sie auch, der allerdings war phänomenal, und auch in Westdeutschland fand man das schick. Dort sah bald jede schwäbische Mittelklasse-Bude von der Straße aus gesehen aus wie eine billige Bums-Bar dank Rauchglasscheiben, die mit der Zeit hässlich schlierig wurden, wie schlecht geputzt. Was den Eindruck einer billigen Bums-Bar noch verstärkte.

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