Uckermark/Berlin - Ungetrübte Ruhe auf dem Lande, unterbrochen nur von dem Gezwitscher der Vögel, dem Quaken der Frösche am Teich. Träge schaue ich von meinem Liegestuhl auf, während eine sanfte Brise leise durch die Pflanzenbeete säuselt. Tagträumend versuche ich ob der allgegenwärtigen Ruhe nicht in einen nachmittäglichen Schlummer zu fallen. Denkste!

Berliner Verlag
Die Wochenendausgabe

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.

Am 12./13. Juni 2021 im Blatt: 
Ein Interview mit Jörg und Maria Koch: Wie sie mit dem Magazin und Modelabel 032c die Berliner Coolness in die Welt tragen

Hurra oder Hilfe? Die Touristen stürmen zurück nach Berlin

Unser Autor Jan Karon will nicht mehr links und „woke“ sein. Warum das?

Die großen Food-Seiten: Einer der besten Lahmacun-Läden in Wedding und ein Backshop für Cool Kids in Kreuzberg. Und: Ein Porträt über das hippe Hotel Henri am Kudamm

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Stattdessen haben die Bewohnerinnen und Bewohner meines Dorfes an den ersten schönen Sommertagen des Jahres nichts Besseres zu tun, als rundum, eine nach dem anderen, lautstark ihren Rasen zu mähen. Zugegebenermaßen war der Mai sehr feucht und alles hat gewuchert wie verrückt – auch das Gras. So geht es also am nächsten Tag weiter und auch am darauffolgenden; von irgendwoher dröhnt immer der Motorenlärm. Und wenn die Woche rum ist, dann kommen die Leute aus der Stadt in ihre Ferienhäuser.

Am Samstagmorgen möchten sie ausschlafen nach der langen, anstrengenden Woche, die man in der Stadt so hat. Leider sind sich manche der Pflichten nicht bewusst, die mit dem Besitz eines Ferienhauses einhergehen. Schließlich sind sie ja auf dem Land, um sich zu erholen und Spaß zu haben – da will niemand an Regeln denken. Davon haben sie ja in der Stadt genug; auf dem Lande möchte man sich frei entfalten und endlich mal machen, was man will.

Deshalb gibt es im Winter auch keinen Winterdienst vor diesen Ferienresidenzen. Und im Rest des Jahres werden die Ruhezeiten nicht eingehalten. In Brandenburg beginnen die nämlich am Samstagmittag um 12 Uhr und enden am Montagmorgen. Um drumherum alle Gartenarbeiten erledigen zu können, müsste man also früh aufstehen oder das gemütliche Frühstück verkürzen.

Breitbeinig setzen sich die Leute auf ihre krachmachenden Rasentraktoren

Beim Mähen bedienen sich die Leute – egal, woher sie kommen – teils nicht mal mehr des profanen Rasenmähers zum Schieben, vielmehr setzen sie sich breitbeinig auf Rasentraktoren, deren Lärm mir das Gefühl gibt, an einem Hubschrauberlandeplatz zu wohnen. Ich weiß, dass es viel zur Demokratisierung der Welt beigetragen hat, solche Maschinen vielen Menschen erschwinglich zu machen – schließlich bedeutet dies, dass ihnen nun erreichbar ist, was vorher nur einer kleinen Gruppe mit Personal vorbehalten war. Ein Garten mit einer großen Rasenfläche zum Beispiel.

Aber in solchen Momenten fantasiere ich mich zurück in Zeiten, in denen viele Arbeiten von Hand und auf den Knien erledigt, in denen Land und Garten lautlos bearbeitet wurden. In meiner politisch nicht ganz korrekten Fantasie gehöre ich natürlich zu jener Elite, die das alles von drinnen beobachtet, hinter feinen Vorhängen und mit einer Tasse Tee in der Hand. Nur hat sich die Welt weitergedreht. Und ich werde auf Nachbarinnen und Nachbarn kaum so einwirken können, dass sie auf ihr schweres Gerät verzichten. Also gehe ich in meinem Garten wenigstens mit gutem Beispiel voran und stelle auf Handbetrieb und somit auf lautlos um.

Manufactum
Spindelmäher, American Lawn Mower Company, 289 Euro

Am besten für den Rasen sind ohnehin die Spindelmäher (mehr dazu gleich) – und am allerbesten jene ohne Motor. Wem die eigene Rasenfläche dafür zu groß ist, kann sie ja reduzieren. Indem Teile davon bepflanzt werden; ökologisch sinnvoll ist das ohnehin. Aber darüber muss man sich wohl erst ab 1000 Quadratmetern Rasen Gedanken machen. Ich habe mir jedenfalls einen Spindelmäher von der American Lawn Mower Company gekauft, der schön aussieht und zum Beispiel über www.manufactum.de (Artikelnummer 14835) für 289 Euro erhältlich ist.

Sneeboer
Rasenkantenstecher, Sneeboer & Zn, rund 105 Euro

Zusätzlich zum Einsatz meines handbetriebenen Spindelmähers steche ich die Rasenkanten jedes Jahr neu aus. Für mich ist das die schönste Lösung. Auch besser als Stahlbänder, deren Nutzen sich mir nicht erschließt. Zum Ausstechen gibt es sehr gute Werkzeuge, meines ist von der holländischen Firma Sneeboer. Auf ihrer Website (www.sneeboer.com) gibt es gleich eine ganze Kollektion praktischer und ansehnlicher „Rasenkantenstecher“ und „Rasenkantenschaufeln“, die Preise dafür liegen zwischen rund 100 und 120 Euro.

Burgon & Ball
Rasenkantenschere , Burgon & Ball, rund 60 Euro

Hat man die Kanten ausgestochen (einmal pro Jahr reicht meistens), kann man sie dort, wo der Spindelmäher nicht hinkommt, mit einer Rasenkantenschere nachschneiden. Meine eigene ist vom Hersteller Burgon & Ball. Gekauft habe ich sie in der Königlichen Gartenakademie, aber sie ist auch über www.bloomling.de (Artikelnummer BB-GTO/EDGE) für rund 60 Euro erhältlich. In der Königlichen Gartenakademie habe ich beim Kaufen eine vergnügliche halbe Stunde mit mehreren Angestellten verbracht. Gemeinsam haben wir alle möglichen Modelle verglichen, bis ich schließlich bei meiner Rasenkantenschere gelandet bin. Sie kommt nicht nur ohne jeden Lärm aus, sie ist wirklich schön anzusehen und liegt bestens in der Hand.

Abgesehen von der zerstörten Ruhe gibt es schließlich noch andere Gründe, warum sich ein Umstieg auf den Handbetrieb lohnt. Zum einen ist da die Ästhetik: Die meisten Rasenmäher sehen furchtbar aus, so wie es in Deutschland generell ein Großteil der Gartengeräte tut. Unter anderem liegt das an der Vormachtstellung einer Firma, deren Name mit G beginnt.

Vehement setzt ein großer Hersteller auf die Farbkombi Türkis/Orange

Sie richtet online und in so gut wie jedem Baumarkt ihr Angebot an Gartenlaien und stellt alle ihre Geräte in der mehr als fragwürdigen Farbkombi Türkis/Orange her. Da sind wir wieder bei der Prämisse „Hauptsache, bunt“, die für viele Menschen auch bei der Bepflanzung ihrer Beete gilt und die ich hier schon einmal kritisiert hatte.

Aber der Hauptgrund, sich vom Motormäher zu verabschieden, ist dieser: Er tut dem Rasen gar nicht gut, da die Halme bei seiner Anwendung nicht geschnitten, sondern gerissen beziehungsweise abgeschlagen und somit verletzt werden. Leicht bekommen die Gräser dann braune Spitzen und verlieren Feuchtigkeit. Ein englischer Rasen wird so jedenfalls nie entstehen. Wenn schon mit Motor, dann doch ein Luftkissenmäher.

Dieser gleitet auf einem Luftkissen sanft über den Gartenboden, was auch die Handhabung erleichtert. Eine weitere echte – und fast lautlose – Alternative sind die Rasenroboter. Die verwende ich regelmäßig in den Gärten, die ich anlege. Dafür müssen aber Markierungen gezogen werden – und das sollte man dann doch lieber dem Fachmann überlassen, der gleich noch das entsprechende Modell empfehlen kann.

Ich selbst habe die hier erwähnten Geräte in diesem Jahr allerdings noch gar nicht wirklich in der Hand gehabt. Obwohl ich für die Pflanzen und alles andere in unserem Garten zuständig bin, gehört der Rasen ohnehin nicht dazu, darum kümmert sich meine bessere Hälfte. Um die Rasenkanten kümmere ich mich zwar, aber passenderweise habe ich momentan ein gesundheitliches Problem, das zur Ruhe mahnt. Also musste ich in der vergangenen Woche von drinnen zuschauen, wie zwei Hilfskräfte lautlos saubere Linien um meine Beete ziehen. Manchmal werden Fantasien eben doch wahr.


Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.