Berlin - Keine Feier ohne Eier! Als die Pubs und Restaurants im letzten Herbst im ganzen Vereinten Königreich wieder aufmachten, gab es für viele erst einmal einen Schock zu verdauen, über den sogar im britischen Unterhaus debattiert wurde. Denn die Produzenten von Scotch Eggs – das sind weichgekochte Eier, ummantelt mit Bratwurstteig, paniert und dann in heißem Rindernierenfett ausgebacken – konnten die riesige Nachfrage nicht mehr decken. Die Briten strömten zu Millionen in die Kneipen. Sie waren nach der harten Zeit im Lockdown so gierig nach einem frischgezapften Bier – und eben Scotch Eggs.

Und allein diese Nachricht hob das für die Engländer sonst so einfache schottische Ei wieder auf die Bühne. Seitdem gibt es Hunderte neue Rezepte. England erlebt gerade so etwas wie einen regelrechten Scotch-Eggs-Boom.

Die Briten haben herrliches Bar-Food

Zu Recht, wie ich finde, denn die Briten haben uns, was Bar-Food angeht, sowieso einiges voraus. In Deutschland gibt es ja meist nur irgendwelche labberigen Erdnüsse, Wasabi-Kräcker oder Chips. Die Briten dagegen haben eben ihre knusprig, frittierten und lauwarmen schottischen Eier. In manchen Pubs wurden sie lange als Tiefkühlprodukt einfach in die Fritteuse geschmissen. Dann ist das Eigelb meistens hart. Doch inzwischen – die englische Küche hat heute zu Unrecht einen schlechten Ruf – gibt man sich mehr Mühe und bereitet sie oft frisch zu.

Und dann sind die Eier – man kann sie in Ketchup oder eine Senf-Mayonnaise tunken und dazu etwa Gewürzgurken und anderes eingelegtes Gemüse servieren – ein echter Hochgenuss. Knusprige Schale, weiche Zwischenschicht und flüssiges Eigelb in der Mitte. Das müssen Sie probieren. In Berlin gibt es die besten im St. Bart, einem wunderbaren australischen Gastro-Pub in der Gräfestraße in Kreuzberg. Dort bekommen sie die kleinen Eier perfekt hin. Man bekommt sie als Vorspeise.

Wenn Sie die kleinen Eier an Ostern in Ihren Picknick-Korb legen wollen, dann empfehle ich Ihnen allerdings, sich an den knusprigen Eiern einfach selbst zu versuchen. Das Rezept gibt es wie immer online. Zugegeben, es ist nicht ganz leicht, rohen Fleischteig (ohne Schaden anzurichten) um weiche 6-Minuten-Eier zu wickeln. Aber der Mensch wächst ja mit seinen Aufgaben.

Das beste für ein Oster-Picknick

In den Pubs in England nimmt man dafür meist nur Bratwurstbrät. Allerdings finde ich, dass die Eier am besten mit feinem Wildhackfleisch und gehacktem Rosmarin schmecken. Das sind für mich meine Gewinner-Eier. Denn dann sind sie weniger fett und schmecken nicht nach Schweinestall. Ich habe es schon mit Damhirsch, Hase, Gänsefleisch und Wildschwein versucht. Aber am besten schmeckt es mit einer Mischung aus Reh und italienischer Salsicce. Sollten Sie das derzeit – die Jagdsaison beginnt in zwei Wochen – nicht bekommen, nehmen Sie einfach Rind oder jedes andere Fleisch. Schmecken werden die Eier in jedem Fall. Und: Merken Sie sich bitte das erhabene Gefühl, wenn Sie die golden frittierten Eier – sie erinnern dann an sizilianische Arancini – aus der Fritteuse nehmen!

St. Bart, Graefestr. 71, 10967 Berlin.

Scotch Eggs mit Wildhackfleisch

Zutaten: 8 Eier, 3 Eier für die Panade, 500g Wildhackfleisch, 250g italienische Salsicce, ein Teelöffel Rosmarin frisch gehackt, einen Teelöffel Pfeffer, 200g Panko-Brösel, Mehl zum Bestäuben, Frittieröl

Die Eier: Acht Eier sechs Minuten kochen, sofort in Eiswasser abschrecken und darin abkühlen lassen und wegstellen.

Für das Brät: Mischen Sie das Rehhackfleisch, Salsicce, Rosmarin und schwarzen Pfeffer in einer großen Schüssel. Teilen Sie die Mischung in acht separate Kugeln mit einem Gewicht von jeweils ca. 90g auf. Aus jeder Kugel zwei Patties flachstreichen. Eier mit Mehl bestäuben und vorsichtig einwickeln. Zwei Patties pro Ei!

Für die Panade: Frittieröl auf 180 Grad vorheizen. Drei Eier verquirlen, Panko-Brösel in eine flache Schale geben. Die umwickelten Eier erst in den verquirlten Eiern wenden, dann mit Brösel bedecken. Den Vorgang zweimal wiederholen.

Das Frittieren: Panierte Eier in der heißen Fritteuse (Topf geht auch) insgesamt fünfeinhalb Minuten ausbacken und drei Minuten ruhen lassen. Lauwarm servieren!

Dazu passt: Frittierte Spreewaldgurke im Tempura-Mantel.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Samstag am Kiosk oder hier im Abo.