Berlin - Was als erstes auffällt beim Schmökern in diesem wundervollen Auktionskatalog (ja, es ist so einer, in den man sich mit Genuss reinfallen lässt, ein Fest für das biologische wie das innere Auge) ist die familiäre Offenheit von Egon Erwin Kischs Briefen. Der „rasende Reporter“ der Berliner Zwanziger, der tätowierte Frauenheld, Wirklichkeitsfresser und Erlebenskünstler, nie ohne Zigarette im Mundwinkel, erst manisch in die Tasten hauend und danach ins gloriose Berliner Nachtleben oder in die finstersten Ecken der Unterwelt abtauchend: Weit weg ist dieser Klischeeheini (der natürlich trotzdem existierte, das In-die-Tasten-Hauen mal ausgenommen, denn Kisch schrieb alle seine Texte mit der Hand) auf einmal. Stattdessen erscheint uns der Schriftsteller hier wie ein großen Bruder, der die Empfängerin im fernen Prag, seine tschechische Übersetzerin Jarmila Haasová, wie eine kleine Schwester mit immer neuen Kosenamen bedenkt und ihr von seinem Tun und Denken berichtet. Alles garniert mit kalligrafischen Schnörkeln oder mit dem Füller handgezeichneten Vignetten wie einem Mini-Kisch mit Reisetasche auf einer Postkarte. 

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