Berlin - Stefan, 36: Lieber Herr Lenné, mir ist die Frage etwas unangenehm, ich bin seit zwei Jahren glücklich mit meiner Freundin zusammen. Das Einzige, was mich stört, ist das enge Verhältnis meiner Freundin zu ihrer Mutter. Ich kann die Mutter nicht leiden und habe Angst, dass sie, wenn wir mal Kinder bekommen sollten, eine größere Rolle in meinem Leben einnehmen wird. Sollte ich das ansprechen? Können die falschen Schwiegereltern eine Beziehung kaputtmachen?

Lieber Stefan, ja, das kann eine unangenehme Frage sein: Darf man seine Schwiegermutter in spe so sehr nicht mögen? Für mich ist dein Problem auf drei Ebenen angesiedelt. Auf der ersten kannst du die Mutter deiner Freundin nicht leiden, auf der zweiten geht es um das für dich zu enge Verhältnis der beiden. Und auf der dritten geht es um dein Zögern, mit deiner Partnerin darüber zu sprechen. Am Ende geht es hier um euer Vertrauen zueinander.

Ebene eins: Was genau magst du an deiner Schwiegermutter nicht? Mag deine Schwiegermutter dich vielleicht auch nicht? Was wäre anders, wenn du sie mögen würdest? Etwas ketzerisch gefragt: Ist es vielleicht eher dein Problem, weil du bisher keine der potenziellen Schwiegermütter gemocht hast?

privat
Der Paartherapeut

Fabian Lenné, Jahrgang 1960, arbeitet seit 20 Jahren als Paartherapeut in Berlin. Er ist Autor des Buches „Vom Umgang mit der Liebe“. Lenné ist Ausbildungsleiter am Institut für Integrative Paarentwicklung.

Ebene zwei: Was genau meinst du, wenn du sagst, das Verhältnis zwischen den beiden sei zu eng? Beeinflusst sie deine Freundin zu stark? Schließen die beiden dich aus? Ist deine Freundin da noch nicht eigenständig genug? Brauchen Mutter und Tochter sich zu sehr als emotionale Stütze und Gesprächspartnerin?

Ebene drei: Was würde passieren, wenn du es ansprächest? Und was würde passieren, wenn du es nicht ansprächest?

Vielleicht ist deine Freundin noch sehr mit ihrer Mutter in einer kindlichen oder jugendlichen Art verbunden, sodass sie nur schwer mit deinen Vorbehalten der Mutter gegenüber umgehen kann. Sie würde sich dann wahrscheinlich mit abgelehnt fühlen.

Vielleicht könnte sie aber in Wirklichkeit auch ganz gut mit deinen Vorbehalten umgehen und du schützt sie unnötigerweise mit deinem Zögern. Dann läge der Ball wieder in deinem Spielfeld und du könntest dich fragen, warum du es deiner Freundin nicht zutraust. Es könnte an deiner Sicht auf die Frauen im Allgemeinen als das sogenannte schwache Geschlecht liegen. Es könnte auch, tiefenpsychologisch gesprochen, an deiner eigenen Geschichte mit deiner eigenen Mutter liegen.

Wie fast immer an dieser Stelle: Sprich sie (in diesem Fall: sehr vorsichtig) darauf an. So könnt ihr zusammen wachsen und eure Liebe vertiefen oder herausfinden, dass es für euch doch noch nicht reicht.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.