Berlin - Angesichts der kürzlichen Halbierung des Bitcoin-Preises seit dem Erreichen des letzten Allzeithochs im April (von 53.000 auf 29.000 Euro), fragen sich viele Hobby-Investoren, die auf das schnelle Geld hoffen: Sollte man jetzt in Bitcoin investieren? „Buy the dip,“ lautet die Devise in den Kryptocommunities seit Mai, nachdem der Bitcoin nach einer unglaublichen Rally wieder auf Talfahrt ging.

Als Entscheidungshilfe, ob man jetzt (noch) in Bitcoin investieren sollte oder nicht, hat sich bisher die vergangene Kursentwicklung des Bitcoin als trügerischer Indikator herausgestellt. Auch ich selbst bin in diese Falle getappt, als ich nach meinem ersten Kontakt mit der Kryptowährung 2016 den Bitcoin bei 300 Euro je Stück als „zu teuer“ bewertet und die Währung nicht gekauft habe. Wäre ich damals trotzdem eingestiegen, hätte ich meine Coins sicherlich nicht bis heute behalten und somit nicht vom gesamten Wachstum profitiert, sondern mich mit hoher Wahrscheinlichkeit über meine Spekulation gefreut und schnell die Bitcoins wieder verkauft. Vielleicht hätte ich aber auch panisch die Reißleine gezogen, als der Kurs einige Monate nach Kauf wieder auf die 200-Euro-Marke fiel.

Es gibt nervenschonendere Investitionsmöglichkeiten

Wenn es also nicht der stark schwankende Preis eines Bitcoin ist, der mir verrät, ob ich jetzt einsteigen soll oder eher nicht, was ist es dann? Jetzt muss ich leider einige Leserinnen und Leser enttäuschen. Denn Fakt ist: Beim Bitcoin gibt es keine Fundamentaluntersuchung oder Geschäftsberichte, die man analysieren kann.

Die Antwort auf die obige Frage ist also relativ simpel: Es ist das technische Verständnis von Bitcoin und den Vorteilen und Risiken, die das entscheidende Investitionskriterium sein sollten. Wenn man sich mit dem Thema Bitcoin beschäftigt hat und keine schwitzigen Hände beim Gedanken an die Frage bekommt, wie man seine Bitcoin sicher verwahren soll, hat man schon das erste Kriterium für eine Investition erfüllt. Dieses Verständnis hatte ich 2016 noch nicht. Somit wäre ich, wie so viele Krypto-Spekulanten heute, zum Spielball der extrem hohen Volatilität geworden.

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Wer sich außer dem Bitcoin-Kursverlauf noch nicht intensiver mit Bitcoin als dezentrale Blockchain-Technologie auseinandergesetzt hat und nicht weiß, inwiefern sich Bitcoin von allen anderen Kryptowährungen unterscheidet, der sollte keinen nennenswerten Teil seines Vermögens investieren. Hier gilt dasselbe wie bei jeder anderen Anlageklasse auch: „Investiere nur in Dinge, die du verstehst.“ Dieser Grundsatz gilt bei Bitcoin ganz besonders, denn zur hohen Volatilität kommt noch das Risiko hinzu, durch eigene Fehler in der Verwahrung der Bitcoin oder Angriffe durch Hacker einen Totalverlust zu erleiden. 

Mein Tipp wäre, dass sich alle, die über eine Investition nachdenken, erst einmal Erfahrungen sammeln und mit ein klein wenig Geld experimentieren sollten, bevor sie wirklich einsteigen. Wer schnell reich werden möchte, sollte sich nach nervenschonenderen Anlagemöglichkeiten umschauen. Ich persönlich habe immer wieder ein wenig in den Bitcoin investiert (im einstelligen Prozentbereich meines Gesamtvermögens). Auch bereits zu teureren Kursen, als man sie derzeit vorfinden kann.

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