Jetzt ist genau die richtige Zeit, um den kommenden Gartensommer festzuzurren. Mit der milden Witterung, die letzte Woche Einzug gehalten hat und dem Beginn des kalendarischen Frühlings am 20. März beginnt nun auch die Pflanzperiode. Höchste Zeit also, mit der Auswahl und dem Bestellen zu beginnen.

Denn im April gepflanzt, kann so manche neue Staude bis zum Hochsommer schon fast zu voller Größe auflaufen. Bei mir ist der da, sobald sich im Juli mein Garten-Reitgras von grün zu strohgelb verfärbt, denn diese Farbveränderung markiert optisch-emotional eine entscheidende Wendepunkt in meinem Garten: Als Hintergrund zu den Blütenfarben Weiß, Rosa und Blau herrschen dann nicht mehr Grüntöne vor wie noch im Mai, während das blass-goldene Gras wunderbar das kräftige Sonnenlicht einfängt.

Echinacea purpurea, der Sonnenhut, ist die wichtigste Gartenblüte, die mir als Kontrapunkt zu den Gräsern einfällt. Sie vereint Kraft und Natürlichkeit wie kaum eine andere Pflanze, deshalb ist sie für mich unverzichtbar. Und ich bemerke jedes Jahr aufs Neue, dass diese Blüten besonders gut zu Beige passen, weshalb ich sie so gern zum oben genannten Garten-Reitgras setze, das Moor-Reitgras Calamagrostis „Karl Foerster“. Die weiße Variante des Sonnenhutes hat ebenfalls ihren Reiz, besonders zwischen den Duftnesseln oder Agastachen. Deren Sorte „Black Adder“ ist bei Gartenprojekten eine meiner wichtigsten Pflanzen.

Anderthalb Meter hohes Hellblau, und das wochenlang

Die auch sehr attraktive Agastache „Blue Fortune“ wiederum hat ein wundervoll weiches Blau, nur noch vergleichbar mit dem Farbton von Scrutellaria incana, dem Herbst-Helmkraut (leider selten erhältlich). Oder wie wäre es mit Perovskia, der Blauraute? Der robuste Halbstrauch ist bei uns immer noch zu selten anzutreffen, finde ich. Anderthalb Meter hoch stehen ab Hochsommer seine hellblauen Blütenstände, und zwar wochenlang. Für mich ist das die ideale Vorgartenpflanze: Man muss sie nie gießen und sie steht sommers wie winters da. Als Bonus hat sie im Winter fast reinweiße Stängel, die vor Dunkelgrün wie eine Kreideskizze leuchten.

Wenn im Juli die Sonne hoch am Himmel steht, schluckt sie die Farben. Deshalb braucht es für Stellen, die der Mittagssonne ausgesetzt sind, eine extra kräftige Blütenpalette. Diese bietet zum Beispiel die Prachtscharte oder auch Dianthus carthusianorum, die Kartäuser- oder Steinnelke. Zusammen mit dem Gras Sporobulus heterolepis gepflanzt, bilden sie eine sehr natürlich anmutende Stauden-Wiese.

Im Sommer 2020 habe ich diese Nelken zwischen Wiesenraute, Wiesenknopf und dem Kandelaber-Ehrenpreis im französischen Jardin Plume entdeckt, vermischt mit vielen Ziergräsern. Genau diese federleichte und fröhliche Bepflanzung gab dem Garten in der Normandie seinen Namen, heißt „plume“ doch Feder. Ich interessierte mich dort für einen Kerzenknöterich, Persicaria „Rowden Gem“, und Patrick Quibel, der den Garten mit seiner Frau Sylvie gestaltet hat, versuchte mir dessen koloristische Wirkung zu erklären. Da mein Französisch nicht ausreichte und ihm das entsprechende englische Wort entfallen war, machte Patrick eine ausladende Bewegung mit den Armen und dabei ein Pfeifgeräusch, dass in einem Knall endete. Natürlich steht dieser trefflich beschriebene Knöterich jetzt in meinem Garten und die Farbe hat auch in der Uckermark genau den Feuerwerk-Effekt, den Patrick mir versprochen hatte.

Zitronengelb und Rot für optische Frische in der Hitze

Im Jardin Plume sah ich auch zum ersten Mal die größere Schwester der Coreopsis verticillata „Moonbeam“, nämlich „Full Moon“. Deren Blüten sind leuchtend zitronengelb, was sofort eine im Hochsommer sonst seltene Frische ins Beet bringt.

Orangeblühende Sommerstauden sind die Sonnenbräute (Helenium) „Rubinzwerg“ und „Baudirektor Linne“. Erstere bleibt, wie der Name andeutet, kleiner und farblich etwas dunkler, als die andere mit dem altmodischen (und für mich sehr romantischen) Namen. Leider sind sie nicht absolut zuverlässig wiederkehrend und deshalb ungeeignet für den öffentlichen Raum. Im Privatgarten jedoch, wo man sie nach ein paar Jahren leicht wieder ersetzen kann, sind sie eine echte Bereicherung.

Von den Taglinien, die chronisch überzüchtet sind, gibt es nur wenige die ich empfehle, so zum Beispiel Hemerocallis Citrina, die bei mir im trockengelegten Sumpf steht. Eine bräunlich rote Variante, die es bislang leider noch nicht in meinen Garten geschafft hat, ist Hemerocallis „Stafford“ – sie steht aber schon ganz oben auf meiner Liste.

Von den seltenen sommerblühenden Zwiebelpflanzen muss noch Allium sphaerocephalon erwähnt werden. Das Gras Stipa tennuissima betont mit seiner Leichtigkeit die kräftig weinroten Allium-Kugeln mit grüner Spitze, wenn man beides zusammen pflanzt. Weitere Zierlauch-Favoriten, die im Sommer blühen, sind Allium „Millenium“, A. senescens „Pink Planet“ und „Summer Beauty“.

Knallrot ist die Indianernessel, zumindest die Sorten Monarda „Jacob Cline“ und „Gardenview red“ (da lobe ich mir doch den Namen „Baudirektor Linne“). Die essbaren Blüten passen ebenfalls wunderbar in eine Präriebepflanzung zwischen vielen Gräsern. Irgendetwas fehlte im letzten Jahr noch oberhalb meines Teiches, den man zumeist aus der Ferne sieht. Dort setzte ich die Indianernessel und prompt sorgte sie schon von weitem für den richtigen Aha-Effekt.

Jetzt heißt es auch Mannstreu bestellen, das Eryngium. Es lässt sich grob unterteilen in die silberweißen Arten E. yuccifolium, E. agavifolium und E. giganteum, und blauen wie E. x zabelii, E. planum, E. alpinum. Bei mir wachsen sie alle. Die weißlichen Mannstreu neben Echinacea und dem eingangs erwähnten Garten-Reitgras, oder mit der Kartäusernelke in der Sporobolus-Wiese. Und die blauen im restlichen Garten.

Mannstreu säen sich auch gern selbst aus und ich lasse sie überall stehen, auch wenn sie mal in den Weg hinein wachsen oder vor den Hochbeeten den Weg versperren. Was ist schon ein kleiner Umweg gegen wochenlanges blaues Blüten-Glück!


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Dieser Text ist in der neuen Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen. Jeden Samstag am Kiosk oder hier im Abo.