Berlin/Uckermark - Neulich hat mich ein Leserbrief erreicht. Darin formulierte die Verfasserin Fragen und Anregungen zu verschiedenen Themen. Zum Beispiel zu trockenresistenten Bepflanzungen, da sie aus Umweltgründen nicht mehr so viel wässern wolle. Und sie fragte, wegen ihres fortgeschrittenen Alters, nach Ideen zu einem altersgerechten, also weniger arbeitsintensiven Garten. Das ist ja ein Thema, mit dem sich alle irgendwann einmal auseinandersetzen müssen – zumindest, wenn sie bis ins hohe Alter gärtnern möchten. Aber auch wer jung ist, wird damit etwas anfangen können.

Berliner Verlag
Die Wochenendausgabe

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Samstag am Kiosk oder hier im Abo. Jetzt auch das neue Probe-Abo testen – 4 Wochen gratis

Am 3./4. Juli 2021 im Blatt: 
Auf den Hund gekommen: Während der Pandemie sind Tausende Vierbeiner nach Berlin gezogen. Erst kam das Glück, jetzt kommen die Probleme. Das große Hunde-Spezial

Letzter Verhandlungstag vor der Sommerpause: Bushidos Frau erweist sich als seine größte Beschützerin

Warum sind ostdeutsche Kleinsparer vom Niedrigzins so stark betroffen? Wir haben die Antworten

Stella Sommer und Olli Schulz sind Hundefans. Wir haben mit ihnen über ihre Obsession gesprochen
https://berliner-zeitung.de/wochenendausgabe

Schließlich ist Zeit heute Mangelware. Sei es, weil die Kinder zu versorgen sind, weil man als Single allein für Haus und Garten zuständig ist oder weil man sich verstärkt um die Karriere kümmern muss – letztlich ist man doch dankbar für alles, was man nicht noch zusätzlich machen muss. So bleibt mehr Zeit für das, was man tun möchte. Und das kann ja wiederum das Gärtnern sein – nur eben der Teil daran, der richtig Spaß macht.

Den Garten auch mal Garten sein lassen

In den vergangenen Tagen habe ich also vermehrt darüber nachgedacht, was uns die Gartenarbeit erleichtert. Neben ein paar allgemeingültigen Regeln bin ich auch auf Tricks gekommen, die sonst nur Profis anwenden. Einige davon habe ich in meiner Kolumne schon mehrfach erwähnt, andere noch nicht; zusammengenommen sollten sie das Leben jeder Gärtnerin und jedes Gärtners erleichtern.

Imago
Der Mönchspfeffer zeigt erst im Spätsommer seine lilafarbenen Blüten.

An erster Stelle steht ein gewisser laissez-fairer Umgang mit dem Garten. Wie ich vor ein paar Monaten an dieser Stelle festgestellt habe, tut das meistens auch den Tieren und dem allgemeinen Wildleben gut. Also nicht ganz so viel aufräumen, das Laub auch mal liegen lassen, den Garten einfach Garten sein lassen. Dabei helfen große Bäume und Sträucher. Sie verändern sich im Jahreslauf zwar ein paar Mal dramatisch (vom Winter zum Frühling und dann wieder zum Herbst), aber eben nicht andauernd, sodass es lange Ruhepausen gibt, in denen man nicht viel machen muss. Besonders Sträucher sind leicht zu pflanzen, und mit der richtigen Auswahl lässt sich die Blühphase im Garten deutlich verlängern.

Frühlingsblühende Gehölze gibt es viele, und von denen sollte man auch einige im Garten haben. Aber noch wichtiger finde ich jene Sträucher, die etwas später im Jahr blühen. Viele von ihnen sind auch recht unkompliziert, zum Beispiel die Kolkwitzie (Kolkwitzia ambilis), auch Perlmuttstrauch genannt, die selbst an den trockensten Standorten noch im Juni blüht. Auch der Perückenstrauch (Cotinus coggygria) zeigt erst ab Juni oder Juli seine wunderlichen Blüten. Der englische Name „Smoke Bush“ passt übrigens viel besser zu diesem Strauch, dessen zarte Blüten nach einem Rauchschleier aussehen, als der deutsche – auch wenn mir die Assoziation mit den gepuderten Perücken des Rokoko gefällt. Auch eine Sorte des kleinen Pfeifenstrauchs (Philadelphus „Belle Etoile“), die köstlich duftet, blüht recht lang.

Imago
Der gelb leuchtende Alant ist unkompliziert, was seinen Standort angeht.

Im Grunde kann man sich so weiter durch den Sommer hangeln und für jeden Monat mindestens ein Gehölz haben, das blüht. Im Hochsommer zum Beispiel Sommerflieder (Buddleja) oder noch besser den Wechselblättrigen Sommerflieder (Buddleja alternifolia), den ich besonders mag. Im Spätsommer blüht der wundervolle Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) und zuletzt der fantastische Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch (Heptacodium), der im September und Oktober seine weißen Blüten zeigt – zu einer Jahreszeit, in der man solche Pracht kaum noch erwartet. Mit vielen solcher Sträucher, einigen großzügigen und vielen kleineren, lässt sich ein Garten gestalten, der nicht viel Arbeit macht: alle paar Jahre etwas Rückschnitt, das wars dann schon.

Auch Stauden mit großen Blättern können hilfreich sein. Es ist noch gar nicht lange her, als ich hier erwähnte, dass sie Unkraut unterdrücken können – besonders, wenn die Blätter auf hohen Stielen stehen. Auch die meisten Funkien (Hosta) lassen kaum andere Pflanzen durch, gerade die von mir heißgeliebten großen Graublattfunkien (Hosta x fortunei) der Sorten „Big Daddy“ oder „Krossa Regal“. Auch Tafel- und Schaublätter wirken ähnlich. Die sind meistens für schattige Standorte gut geeignet, einige kommen aber auch mit reichlich Sonne klar, zum Beispiel Telekien (Telekia), Alant (Inula helenium) sowie viele Sorten der Wolfsmilch (Euphorbia).

Imago
Die blass rosafarbene blühende Kolkwitzie hält auch Trockenheit aus.

Ältere Gärtnerinnen und Gärtner, überhaupt alle, die im Garten nicht so schwer schuften möchten, werden auch mit Hochbeeten gut zurechtkommen. Schließlich braucht man sich nicht tief bücken, um diese zu pflegen.  Sie sind aber, was die Wasserversorgung angeht, nicht gerade optimal. Wer im Garten aber Probleme mit dem Runterkommen (oder eher mit dem Wiederraufkommen) hat, sollte sich ein paar Hochbeete anschaffen und eine kleine Bewässerungsanlage einbauen. Am schönsten ist es, wenn die Hochbeete nicht allzu hoch liegen. Vielleicht 45 Zentimeter, dann kann man sich einfach auf den Rand setzen (bei uns haben wir extra Sitzflächen eingebaut) und von dort aus gärtnern. Im Frühling ist das der ideale Ort, um morgens den ersten Kaffee zu genießen (wir zupfen nebenher verschlafen an irgendwelchen Wildkräutern herum, die sich unerlaubt ausgebreitet haben).

Die Pflanzen lieber in großen Gruppen arrangieren

Eine andere Art, die Gartenarbeit zu minimieren, ist, die Pflanzen in größeren Gruppen zu arrangieren, eine sogenannte Blockbepflanzung also. Das ist eine Methode, die von Profis besonders häufig im öffentlichen Raum angewendet wird. Ganz so logisch erscheint es vielleicht nicht, warum das weniger Arbeit machen soll als eine Bepflanzung vieler unterschiedlicher Arten. Inmitten eines Blocks der gleichen Pflanzen aber werden Unkräuter viel besser – und vor allem früher – wahrgenommen, als wenn sie sich im Durcheinander vieler Sträucher und Blumen verlieren.

Der Profi macht das an öffentlichen Orten, damit auch ungeschultes Personal die Unkräuter schnell entdecken kann – und im heimischen Garten ist das ähnlich, dort erspart man sich selbst die viele Arbeit, die droht, wenn sich die Quälgeister erstmal richtig ausgebreitet haben. In England sagt man: „one year’s seeding makes seven years weeding“. Also frei übersetzt, dass man mit der Aussaat von einem Jahr sieben Jahre zu kämpfen habe. Deshalb ist die Methode, möglichst frühzeitig alles herauszuziehen, was im Beet nichts zu suchen hat, so arbeitssparend. Und eine Kohldistel (Cirsium) sieht man inmitten von fünf Katzenminzen (Nepeta) eben besser, als zwischen zwei unterschiedlichen Pflanzen. Womit wir wieder bei der goldenen Regel wären, die ich vergangene Woche zum Wässern aufgestellt habe: Klotzen, nicht kleckern! Irgendwie trifft das im Garten immer zu.


Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.