Berlin - Dass der Saarland-„Tatort“ stets zu Ostern läuft, scheint seinen Grund zu haben. Denn hier ist einer „von den Toten auferstanden“, so nennt er es selbst – der Vater von Kommissar Adam (Torsten Michaelis). Der Mann war am Ende des vorigen Falles nach 15 Jahren aus dem Wachkoma aufgewacht, nun soll er nach Hause kommen. 

Die ARD geht offenbar davon aus, dass nach einem Jahr immer noch jeder Zuschauer genau weiß, was damals in Rückblicken gezeigt wurde: Die beiden Kommissare Adam (Daniel Sträßer) und Leo (Vladimir Burlakov) haben sich als jugendliche Freunde gegen Adams tyrannischen Vater zur Wehr gesetzt und ihn mit dem Spaten ins Koma geprügelt. Nun fürchten sie, dass der Auferstandene sich daran erinnert.

Der Saarland-Tarzan ist stumm

Doch damit nicht genug, dass dem gelähmten Mann im Rollstuhl nach 15 Jahren Koma immer mehr Details einfallen – er muss sich auch noch in den aktuellen Fall einschalten. Die horizontalen Linien von Autor Hendrik Hölzemann, die diese beiden „Tatorte“ miteinander verbinden, sind eine sehr waghalsige, letztlich aber völlig unglaubwürdige Konstruktion.

Die Ermittler jagen diesmal einen Psychopathen: Eine 18-jährige Klassenschönste ist erst mit einem Pfeil angeschossen, dann wie ein erlegtes Wild drapiert worden. Als „Herr des Waldes“ wird zunächst ein Waldmensch vorgeführt, der wie Tarzan durch die Wälder um Saarbrücken springt und in einer Höhle haust. Verkörpert wird er von Vladimir Korneev, der mit seinen melodramatischen Chansons in der Bar jeder Vernunft begeisterte, hier aber seine schöne Stimme nicht einsetzen, nicht mal einen Schrei von sich geben darf: Denn der Saarland-Tarzan ist stumm. Schade!

Ostermontag 2022 gibt es vermutlich mehr zu sehen

Dafür schreien andere umso mehr – schauspielerisch ist der Saarbrücker „Tatort“ wieder sehr aufdringlich. Julius Nitschkoff, mit 26 Jahren deutlich zu alt für einen Klassenkameraden der Toten, nervt als arroganter Vegetarier mit plumpen Parolen gegen alle Fleischfresser. Daniel Sträßer agiert nicht wie ein Ermittler, sondern wie ein aggressiver Kleinkrimineller. Ob Kolleginnen, jugendliche Zeugen oder der auferstandene Vater – alle werden entweder grimmig angestarrt oder angebrüllt. Und wenn er mal nicht schreit, dann boxt er sich die Fäuste blutig am Schrank, in den er als Kind eingesperrt wurde. Zu befürchten ist, dass das dramatische Verhältnis zum Vater auch im nächsten Fall fortgeführt wird, vermutlich am Ostermontag 2022.

Bewertung: 1 von 5 Punkten

Tatort: Der Herr des Waldes“ – Mo, 5.4., 20.15, ARD

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