Berlin - Für Mat beginnen die Probleme mit dem Einzug bei Freundin Susa. Plötzlich schleicht sich eine Frau, auf leisen Sohlen und in dicker Steppjacke, in sein Leben und raubt ihm den Schlaf. Sie zerstört die Beziehung des Ex-Boygroup-Barden. Monika, gespielt von Nora Tschirner, ist die personifizierte Depression. Genauer: eine mittelschwere Depression, deren Auftrag darin besteht, Mat dazu zu bringen, sich psychologische Hilfe zu suchen.

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Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.

Am 5./6. Juni 2021 im Blatt: 
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Entsendet werden die psychischen Erkrankungen (also auch Monika) – neben Depressionen auch Narzissmus und Angststörungen – von einem geheimnisvollen Ministerium, das in Ausstattung und Personal ein wenig an die „Harry Potter“-Filme erinnert, auch wegen der Vorliebe für anachronistische Informationsverarbeitung via Rohrpost und Lochkarte.

Ein narratives Problem

Die Personifikation der Depression erlaubt viel Szenenhumor, etwa wenn sich Monika an Mats Arm hängt, der nach einem Apfel greifen will. Oder wenn sie wie ein Alb auf seiner Brust liegt. Monika stellt sich Mat beim Sex zur Seite (nicht gerade hilfreich), selbst beim Versuch der Versöhnung mit Susa kommt sie in die Quere.

Die Idee mit der Personifikation abstrakter Begriffe ist nicht neu. Von der Kunstgeschichte einmal abgesehen, in der die Melancholia stets als Frau auftritt (nur aus grammatikalischen Gründen?), gibt es von Serien wie „Good Omens“ bis zu Familien-Erfolgsfilmen wie „Alles steht Kopf“ zahlreiche Beispiele. Nun ist die Depression eine Volkskrankheit, das Thema ist wichtig, allerdings kreiert die Serie falsche Bilder. Monika ist eine discrepantia. Mat sieht sie, spricht mit ihr. Das aber nährt die falsche Vorstellung, dass ein Depressiver „verrückt“ wäre.

Die Anlage des Grundkonfliktes von „The Mopes“ bedingt ein narratives Problem: Zum eigentlichen Thema der Serie entwickelt sich der Umstand, dass Monika Mitgefühl für ihren Fall entwickelt. Damit der Zuschauer die destruktive Monika sympathisch finden kann, muss Mat unsympathisch wirken. Man weiß gar nicht, was man unangenehmer findet – den ungepflegten Hipster-Look oder die „Sensibler Singer-Songwriter“-Masche. Zur Identifikation taugt Mat jedenfalls nicht, man bleibt gewiss nicht seinetwegen am Ball.

Das englische Verb „to mope“ steht für Trübsal blasen. Warum der englische Titel? „The Mopes“ schielt offensichtlich über den engen Tellerrand des deutschen Serienmarktes hinaus, die Hälfte der Sprechanteile der Episoden ist Englisch, weil Mat zumeist Englisch spricht. Auch in der Erzählweise, den Einstellungen bis hin zu den Cuts hat sich die Serie bei allerhand angelsächsischen Vorbildern bedient. Selbst der Auftritt eines Gegenspielers für Monika folgt ausgetretenen Erzählpfaden. „The Mopes“ ist witzig, aber nicht ganz so originell, wie es sein möchte.

Wertung: 3 von 5 Punkten

The Mopes, sechs Folgen, läuft immer dienstags um 20.15 Uhr auf TNT Comedy.


Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.