Das Streaming-Angebot von Amazon Prime kann sich zwar nicht mit der Konkurrenz von Netflix und HBO messen, doch eine echte Perle ist die von Ridley Scott produzierte Horror-Anthologie „The Terror“, die historische Ereignisse mit hübschem Budenzauber verbindet. Klingt trashig, ist es aber nicht.

Die erste Staffel (für Prime-Kunden kostenlos) beruht auf dem gleichnamigen Roman von Dan Simmons, der die geschichtlich belegten Expeditionen der Schiffe HMS Erebus und HMS Terror Mitte des 19. Jahrhunderts mit viel Fantasie zu einem sanften Serien-Schockerchen verquickt, das seinen Reiz weniger aus seinen Horror-Elementen bezieht, sondern aus dem Umstand, dass im ewigen Eis eingepferchte Männer immer ein Garant für einen ordentlichen Konflikt und den daraus fast von selbst resultierenden Spannungsbogen sind.

Die beiden Schiffe befinden sich auf einer Expedition auf der Suche nach der sogenannten Nordwestpassage und bleiben im Packeis stecken, das sie auf Monate nicht mehr freigibt. Der Proviant geht zur Neige, die Stimmung sinkt, der Alkoholpegel steigt und in Folge geht sich die Besatzung erst an die Wäsche, dann an die Gurgel. Das alleine ist schon spannend anzusehen, denn Scott produziert den Überlebenskampf der Crew um den sich fortwährend in sämtlichen Stadien der Trunkenheit befindlichen Kapitän Francis Crozier (herausragend: Jared Francis Harris, der schon in der Ausnahmeserie „Chernobyl“ (Sky) glänzte) wie ein Kammerspiel auf engstem Raum, gefangen im lebensfeindlichen Eis.

Aber wohin verschwinden eigentlich all die Männer der Reihe nach? Was hat es mit dem sagenumwobenen Eisbär-Wesen der Inuit auf sich und woher kommen die Schreie in der Nacht? 


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