Berlin - Aus einem Weltbestseller muss nicht zwingend ein guter Film werden – oder kennt jemand eine richtig gelungene John-Irving-Verfilmung? Warum aber „The Woman in the Window“ danebengegangen ist, und zwar ziemlich weit, werden wohl noch Generationen von Filmhochschülern diskutieren: eine Star-Cast (Amy Adams, Gary Oldman, Julianne Moore), ein vielgepriesener Regisseur (Joe Wright) und ein Tony-prämierter Drehbuchautor (Tracy Letts) erwecken A.J. Finns stilbildenden, in 34 Sprachen übersetzten Thriller zum Leben.

Hört sich erst mal gut an, ebenso wie die Geschichte selbst. Es ist die Geschichte von Anna Fox, die in Manhattan lebt und nicht mehr aus dem Haus kann, weil sie unter Agoraphobie leidet, einer seltenen Angststörung. Noch nicht einmal die Fenster kann sie öffnen, und so, hinter Glas und Jalousien verbarrikadiert, beobachtet sie die Vorgänge in den Nachbarhäusern. Ansonsten telefoniert sie mit ihrem Therapeuten und offenbar auch mit ihrem entfremdeten Ehemann, nimmt zu   viel teurem Rotwein jede Menge Psychopharmaka und badet ausgiebig in Selbstmitleid. Dann beobachtet sie gegenüber einen Mord. Das Problem ist nur: Niemand glaubt ihr, niemand wird vermisst, niemand weiß von einem Mord, niemand weiß irgendwas.

Berliner Verlag/Stephanie F. Scholz
Die Wochenendausgabe

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.

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Und: Keiner scheint zu wissen, was er überhaupt in diesem Film soll. Adams und Oldman übertünchen dies mit Overacting – Adams’ Anna wirkt wie eine Parodie ihrer „Sharp Objects“-Figur; alle anderen sind pure Staffage in einem Plot, der den Kampf einer Frau, sich von ihrem Schicksal zu emanzipieren, zur plumpen Pastiche einer Hitchcock’schen Murder Mistery verwurstet.

Wertung: 2 von 5 Punkten

The Woman in the Window läuft auf Netflix.

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