In lediglich zwei Aufnahmen in dieser Dokumentation ist Tiger Woods privat zu sehen. Eine verwackelte Partyszene zeigt ihn etwa als herumalbernden Teenager. Die andere ist ein Polizeivideo: Tiger Woods steht mit Handschellen in einer Ausnüchterungszelle, da ist er 36, und steht unter dem Einfluss von Schmerz- und Schlafmitteln, auch er wird Opfer der Opioid-Epidemie in den USA. Doch zu sagen, dass sich zwischen diesen beiden Aufnahmen Woods Leben aufspannt, wäre eine komplette Untertreibung.

Tiger Woods ist einer der größten Golfspieler aller Zeiten. Aber man muss sich nicht im Mindesten für Golf interessieren, um in dieser Dokumentation einen Reichtum an packenden Themen zu finden. Es ist ein ziemliches Unterfangen, sich einem zu nähern, der sein Leben lang nichts anderes getan hat, als seine persönliche Sphäre zu schützen, von dem jeder öffentlich geäußerte Satz so klingt, als hätte er ihn zuvor mit Pressesprecher und Anwalt abgestimmt. Von dem Film distanzierte sich Woods mittels eines Statements seines Agenten. Und natürlich stand er auch nicht für ein Interview zur Verfügung. Aber das macht nichts.

Die Regisseure stützen sich auf Archivaufnahmen seiner Spiele und öffentlicher Auftritte, sie befragen Freunde, Journalisten, eine der zahlreichen Ex-Freundinnen. Aus dem drei Stunden langen Perspektivenpuzzle entsteht ein Bild, das seine Stärke aus Woods’ Widersprüchen und Unvollkommenheit zieht. Es ist das Bild eines tragischen Helden, dessen Leiden Relevanz hat für unsere Gesellschaft.

Da ist die toxische Beziehung zum Vater, einem ehemaligen GI, der seinen Sohn schon mit zwei Jahren in eine Fernsehshow bringt. Er war für den Drill zuständig, aber er prägte auch Tigers Idee von Männlichkeit und seine Beziehungen zu Frauen. Wobei die Berichterstattung über Woods’ Untreue in den US-Medien auch etwas über die Prüderie dieses Landes sagt. Und über seinen Rassismus, der auch in Tiger Woods selbst wurzelt. Oder in den schwarzen Comedians, die sich über seine Vorliebe für blonde Frauen lustig machen.

Tiger Woods ist der erste erfolgreiche Schwarze in der elitären weißen Welt des Golf. Nur mag er diesen Triumph nicht für seine Leute reklamieren, weil er sie nicht als „seine Leute“ sieht. Er möge es nicht, als Afroamerikaner definiert zu werden, erklärt er einer sprachlosen Oprah Winfrey. Er sei „cablinasian“: Caucasian, Black, Indian and Asian. Das stimmt zwar, ist aber trotzdem sinnlos. Was für eine erhellende Szene.

Tiger läuft auf Sky.