Berlin - Es ist August, kurz nach den Sommerferien in Berlin. Yannik hat Informatik-Unterricht und kann sich nicht einloggen. Name und Passwort? Der Lehrer kommt auf Yannik zu und sagt: „Das ist seltsam, kann es sein, dass du im letzten Jahr einen anderen Namen verwendet hast?“ Ja, sagt Yannik, er habe ja jetzt eben diesen neuen Namen. Der Lehrer fragt weiter, und so muss Yannik ihn doch noch mal aussprechen, den Namen, den seine Eltern ihm gegeben haben, als er vor 17 Jahren in Berlin auf die Welt kam – als ihre Tochter.

Heute ist Yannik ein schlanker Junge, der seine Mutter in der Körpergröße überragt. Er geht diesen Gang eines Jugendlichen, dessen zu weite Baggy-Jeans seinem Umfeld signalisieren: Chill mal! Er trägt eine Mütze und eine Jacke in dunklen Erdfarben. An diesem grauen Märzsonntag verschwindet er geradezu in der Menschenmenge im Mauerpark. Er ist mit seinen Eltern gekommen, um über das letzte Jahr zu sprechen – eine Zeit, in der viele Menschen ihre Gewohnheiten umstellen mussten, vielleicht ihre Arbeit verloren haben oder sogar einen Verwandten. Doch Yannik hat inmitten der größten Krise des Jahrhunderts noch einen anderen schwierigen Schritt gewagt: Er outete sich als trans, zuerst bei einem Arzt, dann bei Freunden, bei seinen Eltern und letztlich sogar bei seinem Informatiklehrer.

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