1. Kyrillische Buchstaben

Freiwillig hätte man sich zu DDR-Zeiten kein Shirt mit einem Schriftzug in russischer Sprache übergestreift. Es hätte sich dabei ja sowieso nur um einen politischen Slogan grauhaariger Schergen handeln können, denn popkulturelle Botschaften aus der Sowjetunion gab es keine. Das Englische hingegen versprach westliche Freiheit und bunte Farben – das waren die USA und England, das war damals angesagt. Heute ist das anders. Im westlichen Nettigkeitskonsens scheint der Ostblock mit seiner rauhen Direktheit geradezu erfrischend klar auf Linie. Und diese Aura transportieren die kyrillischen Buchstaben in der Mode. Erinnert sei an den Hype, den japanische und chinesische Schriftzeichen in der Street-Wear-Mode der Neunziger erlebten, allen voran die japanische Jeansmarke Evisu. Diese Art der Zeichen-Vergötterung bahnt sich nun auch für das kyrillische Alphabet an. Das russische Skater-Label Rassvet von Gosha Rubchinskiy leistete diesbezüglich bereits Pionierarbeit, auch Vetements schmückt sich gern mit Kyrillischem. Übrigens nicht zu verwechseln mit den etwas rundlicheren georgischen Buchstaben der Muttersprache der Gvasalia-Gebrüder. Aber auf unserer Kleidung sind auch die willkommen. Sabine Röthig

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