Berlin - Unter der S-Bahn-Brücke sitzt eine Gruppe Männer, Hunde streunen um sie herum. Einer der Männer hebt eine Wodkaflasche zum Mund. Die Gruppe Obdachloser versucht die Polizisten und Ordnungsamtsmitarbeiter zu ignorieren, die zwischen Kaufhof und Weltzeituhr unterwegs sind. Sie ahnden hier Verstöße gegen die Maskenpflicht. Ordnung muss sein an einem der bekanntesten und zugleich verrufensten Orte Berlins, dem Alexanderplatz.

Er gehört zu den sieben sogenannten kriminalitätsbelasteten Orten. Das Besondere daran: Hier darf die Polizei anlasslos jeden Passanten, jeden Besucher kontrollieren. „Der Alex“ – das ist für die Polizei allerdings nicht nur der Platz zwischen Kaufhof und Weltzeituhr, sondern auch das Areal westlich des Bahnhofs bis zum Neptunbrunnen, unweit der Stelle, wo Johnny K. starb. Im nächsten Jahr jährt sich sein Todestag zum zehnten Mal. Der 20-Jährige wurde in der Rathausstraße von sechs jungen Männern zu Tode getreten. Die Tat löste in ganz Deutschland Entsetzen aus. Fortan blieben der Alexanderplatz und die umliegenden Straßen Thema der bundesweiten Schlagzeilen: 2014 wurde an der Karl-Liebknecht-Straße ein 30-Jähriger erstochen. 2017 traktierten sich am Fernsehturm Afghanen und Türken mit Flaschen und Messern. 2018 zündeten zwei Männer am Fernsehturm die Kleider eines schlafenden Obdachlosen an. Im selben Jahr erschoss ein Polizist einen Verwirrten, der nackt im Neptunbrunnen stand und mit einem Messer auf den Beamten losgegangen war.

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