Berlin - Bis heute sind es unglaubliche Szenen, die sich im November 2004 im Detroiter Palace of Auburn Hills zutragen. In einem regulären NBA-Saisonspiel zwischen den Detroit Pistons und den Indiana Pacers wird der Pistons-Center Ben Wallace von seinem Gegenspieler Ron Artest hart gefoult. Es entsteht eine Rangelei, die Spieler schubsen und schimpfen, so weit, so normal. Doch als sich Artest zum Beruhigen auf ein Ansagepult setzt, fliegt ihm ein randvoller Bierbecher gegen den Kopf. Artest stürmt auf die Ränge, sicher, den Übeltäter identifiziert zu haben, und schlägt, wie sich später herausstellt, auf den falschen Zuschauer ein. Es entsteht eine Schlacht zwischen Zuschauern und Spielern beider Teams, die als „Malice at The Palace“ in die Geschichte der Basketball-Liga NBA eingehen wird.

Es sind genau diese Ereignisse aus der US-Sport-Geschichte, derer sich die Netflix-Dokureihe „Untold“ annimmt. Momente, an die man sich irgendwo im Hinterkopf erinnern kann, deren Ursprung und Nachgang aber bisher kaum erzählt wurden. Dabei spielt „Untold“ sowohl mit Gefühlen von Nostalgie als auch mit dem Wunsch, von den Protagonisten zu erfahren, was denn nun damals wirklich passiert ist. So erklärt der damalige Pacers-Spieler Jermaine O’Neal sichtlich angefasst, dass er einen Detroit-Fan nur deshalb nicht schwerer verletzt (er selbst sagt: tödlich verletzt!) habe, weil er vor dem Schlag ausgerutscht sei.

Das sind Einblicke, die sich jeder Sportfan wünscht. Ob die Reihe mit solch spezifischen Geschichten aber auch ein breites Publikum erreichen kann, muss sie erst unter Beweis stellen. Immerhin: Angekündigte Folgen, etwa zu Caitlyn Jenner (die 1976 als Bruce Jenner Olympiasieger im Zehnkampf war), dürften künftig auch solche gesellschaftspolitischen Themen anreißen, die die erste Folge „Untold: Malice at The Palace“ noch vermissen lässt.

Wertung: 3 von 5 Punkten

Untold, Doku-Reihe, 5 Folgen, ab 10. 8. immer donnerstags, Netflix


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