Berlin - Kinderbetreuung ist und bleibt Frauensache, es sind Mütter die auch 2021 noch die Hauptlast der Familienarbeit tragen und dafür in überdurchschnittlich hohem Maße in Teilzeitstellen arbeiten müssen. Das ist die zentrale Aussage des aktuellen Väterreports, den das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend diese Woche herausgegeben hat. Der Report baut dabei auf repräsentative Befragungsergebnisse des Instituts für Demoskopie Allensbach und untersucht, wie Eltern, insbesondere Väter, ihre Elternschaft heute erleben, was ihre Wünsche und Vorstellungen sind.

Zwar wünschen sich knapp die Hälfte aller Väter mit minderjährigen Kindern eine gleichberechtigte Aufteilung der Familienarbeit, doch Wunsch und Wirklichkeit könnten kaum ferner auseinander liegen. Fast sechs von zehn Vätern nutzen nämlich gar keine Elternzeit und die, die sie nutzen, beschränkten sich mehrheitlich (75 Prozent) nur auf die zwei Partnermonate. Die braucht die Familie, um überhaupt auf insgesamt 14 Monate Elternzeit zu kommen. Die meisten Väter begründeten ihren Verzicht auf Elternzeit finanziell, mehr als jeder fünfte Vater hatte aber auch einfach keine Lust drauf. Immerhin 8 Prozent befürchteten berufliche Nachteile, genauso viele wussten nicht, dass Elternzeit für sie überhaupt in Frage kommt oder wollten sich nicht um den Papierkram kümmern. Bei nur 4 Prozent aller Väter lag es an der Partnerin oder dem Partner. Erst im Sommer sorgte der Spiegel mit genau dieser These auf dem Titel für Aufruhr und behauptete, dass Frauen die Sorgearbeit der Väter verhindern würden. Mit den aktuellen Zahlen kann dieser Annahme nun vehement widersprochen werden.

Obwohl der Report aus dem Bundesministerium klar zeigt, dass Väter heute engagierter sind als noch vor fünf oder zehn Jahren, so wird auch deutlich, dass sich die Geburt eines Kindes kaum auf ihr Erwerbsverhalten auswirkt. Nur 7 Prozent der Väter arbeiten anschließend in Teilzeit, dagegen reduzieren 68 Prozent der Mütter ihre Erwerbstätigkeit. Erst im vergangenen Jahr untersuchte die Bertelsmann-Stiftung den Einfluss des Kinderkriegens auf die Löhne von Frauen. Im Laufe ihres Erwerbslebens verdienen Mütter über 40 Prozent weniger als Männer, Väter sogar mehr als kinderlose Männer – oft auch, weil sich in Deutschland die Vorstellung des männlichen Alleinverdienermodells weiterhin hartnäckig hält. Das gibt es laut Väterreport immerhin noch in 27 Prozent aller Familien, im Osten deutlich seltener als im Westen. Aber auch hier gilt noch in jeder fünften Familie: Vati verdient und Mami schmeißt den Haushalt.

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