Berlin - Jakob Kudsk Steensen steht in der abgedunkelten Halle am Berghain in Shorts und Socken auf den schwarzen Kunststoffplatten. Sie wirken wie eine große spiegelnde Wasserfläche. Steensen nennt das Illusion „Harlekin-Floor“. Hinter ihm ist das riesige 3D-Panorama eines glucksenden, schmatzenden, triefenden, alles verschlingenden Sumpfgeländes zu erleben. Im Zeitraffer sehen wir, wie ein urzeitlicher Farn im Lauf der Jahreszeiten vergeht, wie die Pflanze, die zur Zeit der Saurier einst noch meterweit in die Höhe wucherte, auf einem erdfeuchten Hügel überm Morast immer rostbrauner wird und letztlich zum fossilen Skelett vergeht.

Ein rätselhafter Sound durchzieht diese Halle, komponiert vom Toningeneur Matt McCorkle. Er ist Kudsk Steensens künstlerischer Partner. Der mal dramatische, mal zärtliche Klang des Bio-Rhythmus einer Unterwelt-Natur, von er wir kaum etwas wissen, ist überlagert von der sphärischen Stimme der Sängerin Arca. Ab und zu erhebt sich aus dem Gurgeln des Wassers und dem Schmatzen des Morasts der Schrei eines Eichelhähers und auch das Quaken, Pfeifen, Knattern und Keckern der Frösche, Kröten und Unken: Signale an willige Paarungspartner, die sogleich von einem mystischem Brausen überzogen werden. Tanzen hier gleich die Hexen und Nymphen? Die in der Fantasieliteratur irrlichternden Sumpfkreaturen mit ihren fürchterlichen Schlangenköpfen?

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