Berlin - Drei Autorinnen, drei Perspektiven, und allesamt konstatieren: „Die Notwendigkeit für ein gemeinsames feministisches Handeln ist groß.“ Einigen mag das glasklar sein, anderen noch nicht in jener Dringlichkeit. Und wieder andere wissen zwar von Schieflagen innerhalb des gesellschaftlichen Gefüges. Wie konkret dagegen anzukämpfen wäre, aber nicht.

„Feminism is for everyone! Argumente für eine gleichberechtigte Gesellschaft“, so der Titel des Sachbuchs von Felicia Ewert, Fabienne Sand und Laura Hofmann, setzt an diesen Stellen mit praxisnahem Grundlagenwissen an, bestärkt und gibt Anstoß. Essayistisch, aktivistisch, autobiografisch schreiben die Autorinnen darin in eingängiger Sprache über Sexismus, Rassismus, Transfeindlichkeit und wie man sich verbünden und aktiv solidarisch sein kann.

Denkanstöße und keine Handlungsanweisungen

Dass jene Ismen – und noch anderes – im Kampf für eine Gesellschaft, in der Ressourcen und Privilegien gerecht verteilt sind, ineinandergreifen, wird gleich zu Anfang deutlich. Feminismus, und das ist Voraussetzung, soll intersektional gedacht werden, sonst ist er keiner. Wer sich also für die Stellung der Frau starkmacht, muss das genauso für jene tun, die nicht weiß, nicht cis, nicht heterosexuell, die körperlich eingeschränkt oder von Klassismus betroffen sind. 

Auf 110 Seiten machen die Schreibenden klar, dass Feminismus nicht nur alle betrifft, im Sinne der persönlichen Betroffenheit. Sondern vor allem für alle ein Thema sein sollte, weil jeder und jede von einem gleichberechtigten Miteinander profitieren würde. Die Autorinnen geben hier vor allem konkrete Denkanstöße, weniger Handlungsanweisungen.

Es braucht Wissen und Ausdauer

Nach der Lektüre wird klar, dass es viel Wissen bedarf, um all die Strukturen in ihrer Nuanciertheit anzuerkennen und sie (laut) zu benennen. Und es braucht viel Selbstkritik und das stete Hinterfragen eigener Privilegien: „Bin ich betroffen oder profitiere ich vom System?“

Wir leben in einer Gesellschaft, die von Normalzuständen spricht (damit ist Weiß-, Deutsch-, Heterosexuell- oder etwa Gesundsein gemeint). Und alle anderen werden als andersartig, unnormal, fremd bezeichnet. Das sind festgeschriebene Merkmale eines krankenden Systems, das unterdrückt.

Um internalisierte Denkmuster zu dekonstruieren, (selbst-)kritisch zu werden und zu bleiben, um den angeblichen „Normalzustand“ und vorherrschende Machtstrukturen zu eliminieren, braucht es Wissen und Ausdauer. Denn es stinkt in ganz schön vielen Ecken. Umso länger muss der Atem bei denen sein, die nicht negativ betroffen sind. Es wird Zeit, endlich aufzuräumen.

Fabienne Sand, Laura Hofmann, Felicia Ewert: Feminism is for everyone! Argumente für eine gleichberechtigte Gesellschaft, Dressler, Hamburg 2021. 110 Seiten, 7 Euro.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.