Berlin - Als Hans-Georg Neumann in Berlin wegen Mordes in zwei Fällen zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt wird, ist Konrad Adenauer Bundeskanzler, das Zweite Deutsche Fernsehen gerade auf Sendung gegangen und John F. Kennedy noch am Leben. Ost-Berlin und West-Berlin sind seit gut zwei Jahren durch eine Mauer getrennt. Und die Berliner Zeitung schreibt kurz vor Neumanns Verurteilung: „Aus dem Westfernsehen, aus Kriminalschmökern und Verbrecherfilmen, mit denen Westberlin förmlich überschwemmt wird, hat sich der 26-jährige Neumann (...) die Anregung für sein Verbrechen geholt.“ Aussagen des Angeklagten zeigten „ein erschütterndes Bild über die Auswirkung der Frontstadtverhältnisse auf die Westberliner Jugend“. Jedes schwere Verbrechen im Westteil der geteilten Stadt wird propagandistisch ausgeschlachtet. Es herrscht Kalter Krieg.

58 Jahre ist das jetzt her. Die Regierenden von damals sind längst tot. Aus den zu jener Zeit Geborenen sind Großeltern geworden. Die Mauer, die Berlin durchzog, ist lange schon verschwunden. Fernsehsender gibt es im Überfluss. Smartphones und Internet bestimmen das Leben. Hans-Georg Neumann kennt diese Entwicklung nur aus dem Fernsehen oder von den wenigen Freigängen. Denn der gebürtige Berliner sitzt noch immer im Gefängnis – auch wenn er derzeit auf seine baldige Entlassung aus der Justizvollzugsanstalt Bruchsal in Baden-Württemberg vorbereitet wird, die ein Gericht vor wenigen Wochen angeordnet hat.

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