Berlin - Deutschland ist im Superwahljahr, das Ende der Pandemie ist in Sicht. Die Redaktion der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung will aus diesem Anlass in einer losen Reihe politische Essays veröffentlichen, die sich mit drängenden Fragen des Zeitgeschehens auseinandersetzen. Den Auftakt macht ein Essay des Berliner Journalisten Jan Karon, der sich mit Identitätspolitik beschäftigt. Der Essay soll Beginn einer Kontroverse sein, Antworten werden folgen.

Ein Erlebnis, das sich in mein Gedächtnis einbrannte, hat mich besonders politisiert. Ich muss etwa zwölf Jahre jung gewesen sein, als Rechtsradikale durch die Straßen meines Geburtsortes marschierten. Unweit von Helmut Kohls Wohnhaus klackerten Springerstiefel auf kaltem Asphalt. Kahlrasierte Frauen und Stiernacken skandierten „Frei. Sozial. National“. Vater rauchte schnell, ich lugte neugierig auf die Straße, Mutter versperrte die Fenster mit Rollläden. „Nazis“, rümpfte sie. Die NPD zog mit schwarz-rot-weißen Fahnen durch unser beschauliches Oggersheim.

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