Berlin -  Vonovia ist für viele Berliner spätestens nach der Deutsche-Wohnen-Übernahme ein rotes Tuch. Der Bochumer Immobilienkonzern steht für viele Berliner pars pro toto für alles, was falsch läuft auf dem Berliner Wohnungsmarkt. Dass Vonovia bei der Übernahme der Deutschen Wohnen keine Grunderwerbssteuer zahlt, heizt die öffentliche Debatte zusätzlich an. Das Bündnis „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ warnte früh davor, dass die Stadt Berlin im Falle einer Übernahme leer ausgehen würde. Doch warum muss Vonovia für die Übernahme von Deutsche Wohnen keine Grunderwerbssteuer zahlen, immerhin wechseln im Großraum Berlin im Rahmen der Fusion mehr als 113.000 Wohnungen den Eigentümer?

Normalerweise läuft es so: Wer als Privatperson in Berlin eine Immobilie kauft, zahlt kräftig drauf. Neben den Maklergebühren werden sechs Prozent Grunderwerbssteuer fällig. Die Grunderwerbsteuer ist die Umsatzsteuer auf Immobilien. Bei einer Wohnung mit 500.000 Euro Marktwert fließen so 30.000 Euro an den Fiskus. In Brandenburg sind es sogar 0,5 Prozent beziehungsweise 2500 Euro mehr. Die Steuer wird schon wenige Wochen nach dem Wohnungskauf fällig. Früher fiel die Grundsteuer beim Immobilienkauf nicht so stark ins Gewicht, weil sich der Bund bei der Erhebung eher zurückgehalten hatte. Vor der Föderalismusreform 2006 betrug der Grundsteuersatz deutschlandweit lediglich 3,5 Prozent. Seitdem die Grundsteuer in der Hoheit der Länder liegt, wurde kräftig an der Steuerschraube gedreht. Die Länder nutzten die neue Freiheit dazu, höhere Einnahmen zu erzielen und ganz nebenbei den Immobilienerwerb für Privatleute zu verteuern.

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