Berlin braucht überhaupt keine Europacity!

Leicht trauernd und vom Humor kaum erreicht habe ich Ihren architekturkritischen Artikel gelesen. Mich traf fast der Schlag, dass zwar das Meininger-Hotel erwähnt war, aber nicht die unglaubliche Lebensfeindlichkeit eines ganzen Quartiers direkt um die Ecke! Ich weiß ja, dass die meisten Journalistinnen und Journalisten in Kreuzberg und Neukölln wohnen und dementsprechend alles nördlich des Hauptbahnhofs etwas vernachlässigt ist. Aber bis heute ist mir unbegreiflich, dass die „Europacity Berlin“, dieser Menschenverwahr-Moloch in nordöstlicher Richtung des Bahnhofs, kaum journalistisch gewürdigt wurde. Als Anwohnerin des Sprengelkiezes im äußeren Wedding radele ich oft über die Heidestraße, an deren Seiten dieses „echt coole“ (Zitat aus der Sprechblase einer riesengroßen, abscheulich pseudohippen Werbewandfigur) Viertel gebaut wurde. Das Viertel selbst besteht ausschließlich aus eigenschaftslosen, quaderförmigen, graubeigen Kaninchenställen, Seit’ an Seit’, über eine Strecke von anderthalb Kilometern. Um ja kein Bauland zu verschwenden, sind sie bis an den äußerstmöglichen Rand der vierspurigen, fast geraden Rennstrecke Heidestraße gebaut. Grünflächen, Platz zum Atmen oder irgendeine Ahnung davon, wo Menschen gern wohnen, lassen sich nicht einmal erahnen. Dafür mittendrin eine fette Tanke. Caroline Sosat

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