Berlin - Michael Kempf weiß, was wir im vergangenen Sommer getan haben. Wann wir den neuen Pool geflutet haben. Wann wir aufgestanden sind. Ob wir uns mit Diclofenac die müden Muskeln eingerieben haben, und vielleicht auch wieviel Kokain in Berlin konsumiert wurde. Er weiß auch noch, wann der Starkregen im vergangenen Sommer die Kanalisation zum Überlaufen brachte. Er wusste aber auch sofort, wenn es zu wenig geregnet hatte. Weil viele Leute in Brandenburg oder Köpenick dann jeden Abend ihren Rasen mit Hunderten Litern sauberem Leitungswasser wässerten.

Kempf weiß das alles, weil unser Abwasser bei ihm ankommt. Es kommt nicht bei ihm zu Hause an, sondern im Klärwerk im brandenburgischen Waßmannsdorf. Es ist eins von sechs Klärwerken der Berliner Wasserbetriebe – Europas größtem Wasserversorger – und liegt wie ein gestrandeter grauer Betonwal direkt neben der Einflugschneise des Flughafens BER. Zusammen reinigen die sechs Klärwerke jeden Tag rund 624.000 Kubikmeter Toilettenwasser, Badewasser, Regenwasser, Industriewasser, Küchenwasser.

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