Berlin - Im Zeitalter der Moderne gilt der Spruch, die Kunst sei dazu da, die Wirklichkeit auszuhalten. Die junge Französin Pauline Curnier Jardin hat dafür nur einen lakonischen Kommentar übrig: „Kunst ist oftmals auch eine paradoxe Ressource in einer Welt, in der das Gute und Schöne für Geld und Macht zu verkommen scheint, wo alle Gewissheiten schwinden.“

Die Kunst des Paradoxen, das klingt bei der aus Marseille stammenden Videokünstlerin so: Höllenlärm hallt durch die große Halle des Hamburger Bahnhofs. Drumbeats, Glocken, Orgelbässe – dazwischen verzückte Schreie der in Weiß und Rot gekleideten Teilnehmer einer Prozession dringen aus einer Arena in der Mitte des Raums. Auf der riesigen Leinwand des Colosseums, das einem Zirkuszelt gleicht, sieht man, wie die frühchristliche Märtyrerin Agatha als mit Preziosen übersäte Holzfigur durch die Straßen der sizilianischen Hafenstadt Catania getragen wird, am Fuße des Vulkans Ätna. Das passiert alljährlich am ersten Februarwochenende. Letztes Jahr wütete kurz darauf die Pandemie – Italien zählte die meisten Toten.

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