Monarch

Kein klassischer Club, wohl aber einer der schönsten Orte für Tanzmusik und flotten Alkoholkonsum ist der Monarch hoch über dem Kotti und dank seiner Panoramafenster mit einem fantastischen Blick darüber – ein unprätentiös-urbaner Raum, dessen Eingang man erst mal finden muss. Schön habe ich mich hier schon betrunken, Männer gedatet, Freunde getroffen, Männer abgeschleppt, mich abschleppen lassen, noch mehr getrunken, getanzt, auf den Kotti geblickt, mal leicht melancholisch, oft aber schwer angetan von einem plötzlichen Gefühl, wirklich in einer besonderen Stadt zu leben. Wenn es mir unten zu bunt, zu jung, zu betrunken wurde, stolperte ich die Treppe hinauf in die benachbarte Bar Paloma, kleiner als der Monarch, aber noch intimer und mit der besseren Musik. Manchmal auch mit den besseren Männern. Das alles vor Corona, aber so gut, dass ich noch von den Erinnerungen zehren kann. Es wird Zeit, sie aufzufrischen. Marcus Weingärtner

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Sisyphos

Diese Türsitzerin macht mich immer nervös. Nicht weil sie nicht steht oder kein Türsteher ist. Sie stellt Einlassfragen, auf die ich keine oder keine eindeutige Antwort habe. Und dann schüttet mein Körper eigentlich längt verbrauchte Schulstresshormone aus. Fragen wie: „Auf welches Set freust du dich am meisten?“ Oder: „Wo tanzt du am liebsten?“ Dazu muss man wissen: Ich bin ein inzwischen unregelmäßiger Clubgänger, das Alter, die Kinder, der Schlafbedarf, und deepes Nachtwissen hatte ich ohnehin noch nie. Welches Set? Ähm, Hauptsache zärtlich in die Fresse. Wo am liebsten? Na, in dem Raum mit den bunten Fensterscheiben, hat der einen Namen? Aha. Dann werde ich meistens doch durchgewunken. Bin drin, Sisyphos, Rummelsburger Bucht, Druck auf dem Brustkorb, das ist mein Club. Warum? Weil vor der Tür auch andere Fahrräder mit Kindersitz parken. Und weil ich mich dort Open Air vermöbeln lassen kann, zärtlich. Der Draußenbereich hat bestimmt einen Namen. Kenn ich aber nicht. Paul Linke

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Golden Gate

Die wenigen schönen Abende helfen so auch nicht mehr. Das Tanzen in der Wohnung (Sorry an den Schweizer Nachbarn von oben!) fühlt sich nicht wie ein echter Berliner Abend an. Ich vermisse am meisten die durchzechten Nächte. Die Nächte die bis ein Uhr mittags gehen. Die Nächte, an die am Montag im Büro Platzwunden und Brandlöcher im Pullover erinnern. Und für diese Nächte würde ich jetzt gerne ins Golden Gate an der Jannowitzbrücke gehen. Denn der Club ist keine Feel good-Bretterbude wie das Kater Blau, sondern ein schwarzes Loch. Voll mit Drogen, Alkohol und Dealern. Vor ein paar Jahren bin ich dort mal die versiffte und durchnässte Holztreppe (die Klos sind im Obergeschoss. Wer baut sowas?) runtergefallen und habe mir die Hand gebrochen. In der Nacht habe ich das nicht gemerkt. Am Sonntag bin ich dann mit Schmerzen aufgewacht. Ich will mir nicht noch mal die Hand brechen, aber ein bisschen wild könnte es schon mal wieder zu gehen. Jesko zu Dohna

Diese Texte sind in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.